Veröffentlicht am März 11, 2024

Die Rabattschlacht ist kein Vertriebsproblem, sondern ein Symptom defekter Systemstrukturen, die profitables Handeln bestrafen.

  • Umsatzbasierte Provisionen schaffen einen direkten Anreiz, die Marge für einen schnellen Abschluss zu opfern.
  • Fehlende Kosten-Transparenz führt dazu, dass Verkäufer die wahren Auswirkungen eines Rabatts nicht erkennen.

Empfehlung: Ersetzen Sie Appelle durch eine unumgängliche Preisverteidigungs-Architektur, die auf Deckungsbeitrags-Steuerung und datengestützten Genehmigungsprozessen basiert.

Als Geschäftsführer beobachten Sie ein frustrierendes Paradox: Die Umsatzzahlen steigen, Ihr Vertriebsteam feiert neue Rekorde, doch am Ende des Quartals schrumpft die Gewinnmarge. Die übliche Reaktion ist, den Vertrieb zu mehr „Value Selling“ zu ermahnen oder die Rabattgrenzen halbherzig zu verschärfen. Man investiert in Verhandlungstrainings und hofft, dass die Appelle an die Vernunft fruchten. Doch diese Massnahmen kratzen nur an der Oberfläche eines viel tiefer liegenden Problems.

Die unkontrollierte Vergabe von Rabatten ist selten eine Frage mangelnder Fähigkeiten oder bösen Willens Ihrer Vertriebsmitarbeiter. Vielmehr ist sie das logische und rationale Ergebnis eines fehlerhaften Systems. Wenn die Anreizstrukturen den Umsatz belohnen und nicht den Gewinn, wenn die wahren Kosten eines Deals im Verborgenen bleiben und wenn es einfacher ist, einen Rabatt zu geben, als den Preis zu verteidigen, dann ist die Erosion Ihrer Marge vorprogrammiert. Das Problem liegt nicht im Verhalten des Einzelnen, sondern in der Architektur Ihres Vertriebssystems.

Doch was, wenn die wahre Lösung nicht in weiteren Appellen, sondern in der Implementierung unumgänglicher, datengestützter Kontrollmechanismen liegt? Was, wenn Sie eine Systemintegrität schaffen, bei der profitables Handeln die einzig logische Option für Ihren Vertrieb wird? Dieser Artikel durchbricht die üblichen Ratschläge und zeigt Ihnen, wie Sie eine robuste Preisverteidigungs-Architektur aufbauen. Wir analysieren die fatalen Fehler in Kostenrechnung und Provisionsmodellen und liefern Ihnen die strategischen Hebel, um die Margen-Verantwortung fest im System zu verankern und aus Ihrem Vertrieb eine echte Top-Performance-Einheit zu formen.

Der folgende Leitfaden bietet Ihnen eine klare Struktur, um die systemischen Ursachen der Rabattschlachten zu identifizieren und durch gezielte, strategische Eingriffe zu beheben. Entdecken Sie, wie Sie die Kontrolle über Ihre Preisgestaltung zurückgewinnen und nachhaltig profitables Wachstum sicherstellen.

Warum müssen Sie die fixen Kosten kennen, bevor Sie einen Preis freigeben?

Die Preisuntergrenze ist kein Bauchgefühl, sondern eine mathematische Notwendigkeit. Jede Preisentscheidung, die ohne exakte Kenntnis der Kostenstruktur getroffen wird, ist ein Glücksspiel mit Ihrer Existenz. Der erste Schritt zur Margensicherung ist die brutale Transparenz über die eigenen Zahlen. Vertriebsmitarbeiter, die den Break-Even-Point ihres eigenen Angebots nicht kennen, können den Wert eines Deals unmöglich beurteilen. Sie navigieren im Blindflug und neigen dazu, Rabatte als den einfachsten Weg zum Abschluss zu sehen, ohne die verheerenden Konsequenzen für die Profitabilität zu verstehen.

Die Grundlage jeder profitablen Preisgestaltung ist die Berechnung des Deckungsbeitrags, der nicht nur die variablen Kosten, sondern auch einen Anteil zur Deckung der Fixkosten leisten muss. Fixkosten wie Mieten, Gehälter und Abschreibungen fallen an, unabhängig davon, ob Sie ein einziges Produkt verkaufen oder tausend. Ein Preis, der diese Kosten nicht systematisch berücksichtigt, führt unweigerlich in die Verlustzone, selbst bei hohem Volumen. Es ist die Aufgabe der Geschäftsführung, dem Vertrieb nicht nur eine Preisliste, sondern auch ein klares Verständnis der Kostenarchitektur zu vermitteln.

Ein Verkäufer muss wissen, wie viel jede verkaufte Einheit oder jede Projektstunde zur Deckung der Gemeinkosten beiträgt. Nur so entwickelt er ein Gefühl für die Margen-Verantwortung. Die Definition eines minimalen Deckungsbeitrags pro Engpasseinheit (z. B. pro Maschinenstunde oder Berater-Tag) schafft eine klare, rote Linie, die nicht unterschritten werden darf. Diese Kenntnis ist die erste Verteidigungslinie gegen unüberlegte Rabatte und die Basis für jede seriöse Preisverhandlung. Ohne dieses Fundament ist jede weitere Massnahme zur Margensicherung zum Scheitern verurteilt.

Wie verteidigen Sie Ihren Preis, wenn der Einkäufer „zu teuer“ sagt?

Der Einwand „zu teuer“ ist ein standardisierter Reflex im Einkauf, kein finales Urteil. Ein schlecht vorbereiteter Vertriebler reagiert darauf mit sofortigen Preiszugeständnissen und bestätigt damit dem Einkäufer, dass der ursprüngliche Preis willkürlich war. Eine Top-Performance-Einheit hingegen sieht darin die Einladung, den Wert des Angebots zu beweisen. Die effektivste Preisverteidigung beginnt lange vor der Verhandlung.

Wie die Vertriebsexperten der Umsatzuni treffend formulieren, ist die beste Verhandlung die, die man gar nicht erst führen muss. Dies unterstreicht eine zentrale Wahrheit:

Die beste Verhandlung ist die, die du nicht führst. Preisverteidigung kommt vor Preisverhandlung!

– Umsatzuni Vertriebsexperten, Vertriebstechnik der Preisverteidigung

Anstatt in eine Preisdiskussion einzusteigen, muss der Fokus sofort auf den Gesamtwert und die Total Cost of Ownership (TCO) gelenkt werden. Der Angebotspreis ist nur die Spitze des Eisbergs; die wahren Kosten für den Kunden liegen oft in geringerer Effizienz, höheren Wartungsaufwänden oder entgangenen Chancen bei einer billigeren Alternative. Ihre Aufgabe ist es, diese verborgenen Kosten sichtbar zu machen.

Eisberg-Metapher zeigt versteckte Kosten unter der Wasseroberfläche als TCO-Konzept

Wie dieses Konzept visuell darstellt, ist der initiale Preis oft der kleinste Teil der Gesamtkosten. Eine konkrete Methode zur Abwehr des Preiseinwandes ist die „Reflex-Rhetorik“. Statt den Preis zu verteidigen, wird der Kundennutzen wiederholt und mit konkreten Beweisen untermauert. Ein Trainingsanbieter wehrte Rabattforderungen erfolgreich ab, indem er auf den Einwand mit der Wiederholung von drei Schlüsselnutzen reagierte – „praxisorientiertes Training“, „Reflex-Karten-System“, „21-Tage-Umsetzungsplan“ – und dann mit der Frage „Wie sähe aus Ihrer Sicht der nächste Schritt aus?“ direkt zum Abschluss überleitete. Dieser Ansatz verlagert den Fokus vom Preis zurück zur Lösung und zwingt den Einkäufer, sich mit dem Wert statt mit dem Rabatt zu beschäftigen.

Materialzuschläge: Wie geben Sie gestiegene Rohstoffkosten automatisch weiter?

In volatilen Märkten sind explodierende Rohstoff- oder Energiekosten eine direkte Bedrohung für Ihre Marge. Wer Preisanpassungen manuell, zögerlich und erst nach monatelangen internen Diskussionen durchführt, subventioniert seine Kunden und finanziert deren Gewinn auf Kosten des eigenen. Eine professionelle Preisarchitektur reagiert auf Kostensteigerungen nicht reaktiv, sondern automatisiert und systematisch. Das Ziel ist es, externe Kostenschwankungen direkt und transparent an den Markt weiterzugeben, ohne jedes Mal eine neue, kräftezehrende Verhandlungsrunde zu eröffnen.

Der Schlüssel hierzu liegt in der Implementierung von dynamischen Preisanpassungsmechanismen. Moderne CPQ-Systeme (Configure, Price, Quote) ermöglichen es, Preise in Echtzeit an anerkannte Rohstoffindizes zu koppeln. Viel wichtiger ist jedoch die vertragliche Grundlage: Integrieren Sie transparente Gleitklauseln oder Materialteuerungsklauseln in Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Rahmenverträge. Diese Klauseln definieren klar, ab welchem Schwellenwert einer Kostensteigerung (z.B. +5% beim Kupferpreis) eine automatische Preisanpassung erfolgt. Dies entpolitisiert die Preisdiskussion und macht sie zu einem objektiven, nachvollziehbaren Prozess.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für solche Klauseln unterscheiden sich jedoch erheblich, je nachdem, ob Sie im B2B- oder B2C-Geschäft tätig sind. Während im B2B-Umfeld eine hohe vertragliche Freiheit herrscht, sind die Hürden im Verbrauchergeschäft deutlich höher.

B2B vs. B2C Rechtliche Rahmenbedingungen für Materialzuschläge
Kriterium B2B-Kontext B2C-Kontext
Flexibilität der Klauseln Hoch – individuelle Vereinbarungen möglich Niedrig – strenge gesetzliche Vorgaben
Ankündigungsfrist Vertraglich vereinbar (oft 14-30 Tage) Mindestens 6 Wochen
Maximale Anpassung Keine gesetzliche Grenze Angemessenheitsprüfung erforderlich
Widerspruchsrecht Je nach Vertrag Immer gegeben

Diese Unterscheidung ist kritisch. Im B2B-Bereich schaffen Sie durch vertraglich fixierte Mechanismen eine stabile Basis für Ihre Marge. Im B2C-Bereich müssen Sie Preisanpassungen sorgfältiger und mit längeren Fristen kommunizieren, um rechtlich angreifbar zu sein. In beiden Fällen gilt: Proaktive Systematisierung schlägt reaktiven Aktionismus.

Das Risiko, Provision auf Umsatz statt auf Deckungsbeitrag zu zahlen

Kein einzelner Faktor zerstört Gewinnmargen so zuverlässig wie ein falsch konzipiertes Provisionsmodell. Die klassische, umsatzbasierte Provision ist der grösste Treiber für eine ruinöse Rabattkultur. Sie schafft eine fundamentale Anreiz-Fehlsteuerung: Der Verkäufer wird dafür belohnt, den Umsatz zu maximieren, selbst wenn dabei die Marge vernichtet wird. Aus seiner Perspektive ist ein schneller Abschluss mit hohem Rabatt oft lukrativer als eine langwierige Verhandlung für einen profitableren Deal. Die Interessen von Unternehmen und Vertriebsmitarbeiter driften diametral auseinander.

Die fatale Asymmetrie dieses Modells ist mathematisch belegbar. Die Auswirkungen eines Rabatts auf die Provision des Verkäufers sind marginal im Vergleich zum Schaden für das Unternehmen. Ein konkretes Rechenbeispiel aus der Praxis verdeutlicht diese Diskrepanz schmerzhaft: Bei einem Auftrag über 40.000 € und einer Marge von 40 % (16.000 €) erhält ein Verkäufer bei 4 % Provision 1.600 €. Gibt er 10 % Rabatt (4.000 €), sinkt seine Provision nur um 160 € auf 1.440 €. Das Unternehmen hingegen verliert 4.000 € an Marge – das 25-fache des Provisionsverlusts des Verkäufers.

Die logische Konsequenz: Der Verkäufer hat kaum einen Anreiz, den Preis zu verteidigen. Die Lösung liegt in der radikalen Umstellung auf ein deckungsbeitragsorientiertes Provisionsmodell. Nur wenn die variable Vergütung direkt an die erzielte Marge gekoppelt ist, entsteht eine Interessensharmonie. In einem solchen System spürt der Verkäufer die Konsequenzen eines Rabatts direkt im eigenen Geldbeutel. Ein hybrides Modell, das ein solides Fixgehalt mit einer stark an den Deckungsbeitrag gekoppelten variablen Komponente kombiniert, ist hier oft der Königsweg. Zusätzliche Boni für das Erreichen oder Überschreiten von Margenzielen („Super-Bonus“) können die Motivation zur Profitmaximierung weiter steigern und die Systemintegrität wiederherstellen.

Wann und wie kommunizieren Sie eine Preisanpassung von 10 % ohne Kundenverlust?

Eine Preisanpassung ist ein notwendiger unternehmerischer Akt, keine Entschuldigung. Die Art und Weise, wie Sie diese kommunizieren, entscheidet jedoch darüber, ob sie als faire Anpassung oder als Affront wahrgenommen wird. Eine pauschale E-Mail an alle Kunden zu senden, ist der sicherste Weg, um Verunsicherung zu stiften und Abwanderung zu provozieren. Eine erfolgreiche Preiserhöhung erfordert eine segmentierte, wertorientierte und strategisch getimte Kommunikationskaskade.

Nicht jeder Kunde ist gleich, und nicht jeder sollte gleich behandelt werden. Der erste Schritt ist die Segmentierung Ihres Kundenstamms in A-, B- und C-Kunden basierend auf Umsatz und strategischer Bedeutung. Jedes Segment erfordert einen eigenen Kommunikationskanal und eine eigene Vorlaufzeit. A-Kunden (Ihre Top 20 %) verdienen ein persönliches Gespräch mit der Geschäftsführung oder dem Key-Account-Manager, und das mindestens acht Wochen vor Inkrafttreten. B-Kunden können per Videokonferenz informiert werden, während für C-Kunden ein personalisiertes Mailing ausreichen kann. Diese gestaffelte Vorgehensweise signalisiert Wertschätzung und gibt den wichtigsten Partnern Zeit, sich anzupassen.

Der zweite entscheidende Faktor ist das „Value-Wrapping“. Eine Preiserhöhung sollte niemals isoliert kommuniziert werden. Betten Sie sie stattdessen in eine positive Nachricht ein. Kündigen Sie die Anpassung im Zuge der Einführung neuer Produktfeatures, verbesserter Serviceleistungen oder als Teil eines neuen „Premium-Pakets“ an. Sie verkaufen keine Preiserhöhung, Sie verkaufen einen gesteigerten Wert. Das Timing ist ebenfalls kritisch: Kommunizieren Sie nach einem positiven Quartalsergebnis oder einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt, wenn der wahrgenommene Wert Ihres Angebots am höchsten ist. So wird die Preisanpassung nicht als Forderung, sondern als logische Konsequenz einer positiven Entwicklung wahrgenommen.

Der Fehler bei den variablen Kosten, der Ihre Marge nach 6 Monaten vernichtet

Während Fixkosten oft im Fokus stehen, lauert die wahre Margenfalle häufig in den variablen Kosten – insbesondere in denen, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Viele Unternehmen kalkulieren mit linearen variablen Kosten, die proportional zur Produktionsmenge steigen. Doch die Realität ist oft eine andere. Ab einem bestimmten Produktionsvolumen explodieren die Kosten. Betriebswirtschaftliche Analysen belegen, dass sogenannte progressive variable Kosten überproportional zur Produktionsmenge steigen. Dies geschieht durch teure Überstunden, Express-Logistik zur Einhaltung von Lieferfristen oder den Zukauf von Kapazitäten zu ungünstigen Konditionen. Ein Grossauftrag, der auf dem Papier profitabel aussieht, kann so schnell zum Margenkiller werden.

Der noch gefährlichere Fehler ist jedoch die vollständige Ignoranz gegenüber versteckten variablen Kosten. Dies sind Aufwände, die direkt einem Auftrag oder Kundentyp zugeordnet werden können, aber in der Standardkalkulation nicht auftauchen. Dazu gehören der administrative Mehraufwand für komplexe kundenspezifische Anpassungen, eine überdurchschnittlich hohe Reklamationsquote bei preissensiblen „Rabattkunden“ oder die Opportunitätskosten, die entstehen, wenn Ihr bestes Team an einem niedrigmargigen Grossprojekt gebunden ist und dadurch profitable Deals verpasst.

Diese versteckten Kosten systematisch aufzudecken, ist eine zentrale Aufgabe des Controllings und Managements. Die folgende Analyse zeigt typische Beispiele und deren verheerende Auswirkung auf die Marge.

Die Tabelle, basierend auf einer Analyse versteckter Kostenarten, verdeutlicht, wie scheinbar profitable Aufträge die Gesamtmarge erodieren können.

Versteckte variable Kostenarten und ihre Auswirkungen
Kostenfaktor Sichtbare Kosten Versteckte Kosten Margenauswirkung
Kundenspezifische Anpassung Material: 50€ Admin/Abstimmung: 200€ -5% Marge
Grossauftrag >1000 Stück Normale Stückkosten Überstunden, Express: +30% -8% Marge
Rabattkunde After-Sales Standard-Service 3x höhere Reklamationsquote -3% Marge
Opportunity Cost 0€ Entgangene profitable Deals -10% Gesamtmarge

Ohne eine verursachungsgerechte Zuordnung dieser Kosten ist eine echte Steuerung nach Deckungsbeitrag unmöglich. Sie optimieren auf Basis falscher Daten und belohnen möglicherweise das Geschäft, das Ihr Unternehmen am meisten schädigt.

Wann führen Provisionsmodelle zu falschem Verhalten und Rabattschlachten?

Provisionsmodelle sind das zentrale Nervensystem Ihrer Vertriebssteuerung. Wenn sie falsch kalibriert sind, lösen sie systematisch unerwünschtes Verhalten aus, das weit über die reine Rabattvergabe hinausgeht. Die Anreiz-Fehlsteuerung manifestiert sich in verschiedenen, für das Unternehmen hochgradig schädlichen Verhaltensmustern. Ziel muss es sein, eine Systemintegrität herzustellen, bei der die individuellen Ziele der Verkäufer mit den strategischen Zielen des Unternehmens übereinstimmen.

Ein klassisches Beispiel für solches Fehlverhalten ist das sogenannte „Sandbagging“. Dieses Phänomen tritt besonders häufig bei Systemen auf, die auf starren Quartals- oder Jahreszielen basieren. Verkäufer, die ihre Ziele frühzeitig erreicht haben, halten sichere Deals bewusst zurück, um sie ins nächste Quartal zu schieben. Dies sichert ihnen einen guten Start in die nächste Periode, führt aber zu ungleichmässigen Auftragseingängen und macht jede Unternehmensplanung zur Farce. Am Ende der Periode kommt es dann oft zur umgekehrten Reaktion: Um Ziele auf den letzten Drücker zu erreichen, werden massive Rabatte gewährt, was die Preiswahrnehmung am Markt nachhaltig beschädigt.

Fallstudie: Das Sandbagging-Phänomen in der Quartalssteuerung

Ein mittelständisches IT-Unternehmen beobachtete, dass Verkäufer sichere Deals systematisch zurückhielten, um das nächste Quartal „abzusichern“. Die Lösung war eine Umstellung auf rollierende 12-Monats-Ziele statt starrer Quartalsziele. Das Ergebnis war ein um 25 % gleichmässigerer Auftragseingang und eine drastische Reduzierung der typischen Dezember-Rabatte von durchschnittlich 18 % auf nur noch 7 %. Dieses Beispiel zeigt, wie eine strukturelle Änderung im Anreizsystem das Verhalten direkt und positiv beeinflussen kann.

Ein weiteres Problem ist die interne Kannibalisierung zwischen verschiedenen Vertriebskanälen oder -teams, wenn deren Provisionsmodelle nicht aufeinander abgestimmt sind. Um dies zu verhindern, sind einheitliche Provisionsstrukturen und klare Gebietszuweisungen unerlässlich. Ein „Deal-Registration-System“ nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip kann hier für Fairness sorgen. Letztlich muss die Provision nicht den Abschluss, sondern den profitablen und nachhaltigen Kunden belohnen. Die Kopplung von Boni an die Kundenrentabilität im zweiten und dritten Jahr ist ein wirksamer Hebel, um den Fokus von kurzfristigen Abschlüssen auf langfristige Partnerschaften zu lenken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rabattschlachten sind ein Systemfehler, kein Vertriebsfehler. Die Ursache liegt in falschen Anreiz- und Kontrollstrukturen.
  • Die Umstellung von umsatz- auf deckungsbeitragsbasierte Provisionen ist der entscheidende Hebel zur Margensicherung.
  • Eine robuste Preisverteidigungs-Architektur basiert auf Kosten-Transparenz, automatisierten Prozessen (z.B. CPQ) und klaren Genehmigungsregeln (z.B. Deal Desk).

Wie machen Sie aus einem Team von Durchschnittsverkäufern eine Top-Performance-Einheit?

Die Transformation einer Vertriebsmannschaft von einer umsatzgetriebenen zu einer margenfokussierten Einheit geschieht nicht durch Appelle, sondern durch die Implementierung einer wasserdichten Profit-Architektur. Es geht darum, ein Ökosystem zu schaffen, in dem profitables Handeln einfacher, transparenter und lohnender ist als die Jagd nach jedem Deal um jeden Preis. Eine solche Kultur der „Profit Heroes“ basiert auf klaren Strukturen, den richtigen Werkzeugen und konsequentem Coaching.

Der erste Schritt ist die Entlastung des Verkäufers vom permanenten Preisdruck. Die Einrichtung eines zentralen „Deal Desk“ ist hierfür ein entscheidendes Instrument. Diese Instanz, besetzt mit Experten aus Controlling und Produktmanagement, muss jeden Rabatt oberhalb einer geringen Schwelle (z.B. 5%) genehmigen. Dies nimmt dem Verkäufer die Last der Preisverhandlung ab und professionalisiert die Rabattvergabe. Der Verkäufer kann sich auf die Wertargumentation konzentrieren und den „harten“ Teil der Verhandlung an eine spezialisierte Stelle abgeben.

Der zweite Pfeiler ist kontinuierliches, datengestütztes Coaching. Ersetzen Sie allgemeine Vertriebsmeetings durch wöchentliche Margen-Coachings. Analysieren Sie die Pipeline nicht nach Abschlusswahrscheinlichkeit, sondern mit der zentralen Frage: „Bei welchem Deal in der Pipeline können wir die Marge um 2% steigern?“ Diese Fokussierung schärft den Blick für Profitabilität. Eine von HubSpot durchgeführte Studie mit Vertriebsteams zeigt, dass Teams mit strukturiertem Margen-Coaching bei gleicher Arbeitszeit 4x mehr profitable Meetings erzielen. Stellen Sie Ihrem Team zudem einen schlagkräftigen Marketing-Werkzeugkasten mit ROI-Rechnern, „Battle Cards“ gegen Wettbewerber und quantifizierten Fallstudien zur Verfügung, um die Wertargumentation zu untermauern.

Ihr Aktionsplan zur Etablierung einer Profit-Heroes-Kultur

  1. Deal Desk einrichten: Definieren Sie eine zentrale Instanz, die Rabatte über einen festgelegten Schwellenwert (z.B. 5%) genehmigen muss, um den Verkäufer vom Preisdruck zu entlasten.
  2. Wöchentliches Margen-Coaching: Führen Sie Pipeline-Reviews durch, die sich auf die Frage konzentrieren: „Bei welchem Deal können wir die Marge um 2% erhöhen?“
  3. Marketing-Werkzeugkasten bereitstellen: Statten Sie den Vertrieb mit ROI-Rechnern, Battle Cards und quantifizierten Fallstudien als schlagkräftige Argumentationshilfen aus.
  4. Erfolgsgeschichten publizieren: Etablieren Sie monatliche interne „Profit Hero Awards“ für die höchste erzielte Marge, nicht für den höchsten Umsatz, und fördern Sie damit den internen Wettbewerb.
  5. Peer-Learning fördern: Organisieren Sie „Margin Masterclasses“, in denen Ihre Top-Performer ihre erfolgreichsten Preisverhandlungstaktiken mit dem gesamten Team teilen.

Schliesslich geht es um Anerkennung. Feiern Sie die höchsten Margen, nicht die höchsten Umsätze. Die Schaffung einer Top-Performance-Einheit ist das Ergebnis konsequenter Systemgestaltung, die Profitabilität in den Mittelpunkt allen Handelns stellt.

Um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, ist es essenziell, die Schritte zum Aufbau einer Top-Performance-Einheit konsequent umzusetzen.

Häufige Fragen zu Provisionen und Margensicherung

Warum führen Jahresend-Boni zu übermässigen Rabatten?

Verkäufer geben im Dezember massive Rabatte, um Jahresziele auf den letzten Drücker zu erreichen. Dies schädigt die Preiswahrnehmung nachhaltig, da Kunden lernen, mit Käufen strategisch bis zum Jahresende zu warten, um von diesen „Verzweiflungsrabatten“ zu profitieren. Es konditioniert den Markt auf niedrigere Preise.

Wie verhindert man interne Kannibalisierung zwischen Vertriebskanälen?

Der Schlüssel liegt in einheitlichen Provisionsmodellen über alle Kanäle hinweg und in klaren, unmissverständlichen Gebietszuweisungen. Bei unvermeidbaren Überschneidungen hat sich ein Deal-Registration-System bewährt, das nach dem „First-Come-First-Serve“-Prinzip funktioniert und so Konflikte minimiert.

Welche Provision motiviert zu profitablen statt zu vielen Abschlüssen?

Eine Provision, die langfristigen Erfolg belohnt. Koppeln Sie Boni an die Kundenrentabilität im zweiten und dritten Jahr nach dem Erstabschluss, nicht nur an den schnellen Vertragsabschluss. Zusätzlich können Strafpunkte oder Malus-Systeme für Kunden mit negativem Deckungsbeitrag eingeführt werden, um den Fokus klar auf Profitabilität zu lenken.

Geschrieben von Sabine Kurz, Erfahrene Interim-CFO und Expertin für Unternehmensfinanzierung mit Schwerpunkt auf Liquiditätssteuerung und Restrukturierung. Seit 14 Jahren begleitet sie KMUs und Startups durch kritische Wachstumsphasen und Finanzierungsrunden.