Veröffentlicht am April 11, 2024

Abteilungssilos sind keine Kommunikationsschwäche, sondern ein teurer Systemfehler, der direkt Ihre operative Marge angreift.

  • Inkonsistente Daten zwischen Marketing, Vertrieb und Service führen zu Fehlentscheidungen und schlechter Kundenerfahrung.
  • Fehlende, vertraglich geregelte Übergaben (SLAs) verursachen Prozesslücken, in denen wertvolle Leads und Kunden verloren gehen.

Empfehlung: Betrachten Sie Ihre Organisation als eine einzige Umsatz-Wertschöpfungskette und implementieren Sie Revenue Operations (RevOps) als technische Disziplin, um Prozesse, Daten und Verantwortlichkeiten Ende-zu-Ende zu synchronisieren.

Als Chief Revenue Officer kennen Sie das frustrierende Gefühl: Das Marketing feiert einen Rekord an generierten Leads, doch der Vertrieb beklagt deren schlechte Qualität. Der Vertrieb schliesst einen grossen Deal ab, aber der Kundenservice weiss nichts von den getroffenen Absprachen und kämpft mit einem unzufriedenen Neukunden. Jede Abteilung präsentiert Ihnen unterschiedliche Daten zum selben Kunden – ein Phänomen, das man als Daten-Arbitrage bezeichnen könnte, bei dem Entscheidungen auf widersprüchlichen Informationen basieren.

Die üblichen Ratschläge wie „mehr Meetings abhalten“ oder „die Kommunikation verbessern“ greifen hier zu kurz. Sie behandeln die Symptome, nicht die Ursache. Diese Reibungsverluste sind kein reines Kulturproblem, sondern das Ergebnis einer fehlerhaften Systemarchitektur. Die wahre Herausforderung liegt in den unsichtbaren Brüchen zwischen den Systemen und Prozessen Ihrer Abteilungen. Hier versickert nicht nur Effizienz, sondern bares Geld.

Doch was wäre, wenn die Lösung nicht primär in der Kultur, sondern in einer klaren, prozessualen Infrastruktur liegt? Einem Ansatz, der die gesamte Umsatz-Wertschöpfungskette – vom ersten Klick eines Interessenten bis zur Vertragsverlängerung im fünften Jahr – als ein einziges, integriertes System betrachtet. Dieser Ansatz nennt sich Revenue Operations (RevOps) und behandelt die Optimierung des Umsatzprozesses wie eine Ingenieursdisziplin: mit klaren Schnittstellen, verbindlichen Vereinbarungen und einer einzigen, unbestreitbaren Datenquelle.

Dieser Artikel führt Sie durch die kritischsten Reibungspunkte in Ihrer Organisation. Wir werden nicht bei der Problemanalyse stehen bleiben, sondern für jeden Punkt konkrete, prozessbasierte Lösungen aufzeigen, mit denen Sie eine robuste und skalierbare Umsatzmaschine für Ihr Unternehmen konstruieren.

Warum hat der Kunde im Marketing-Tool einen anderen Status als im ERP?

Dieses Szenario ist der klassische Ausgangspunkt für kostspielige Fehler. Im Marketing-Automation-Tool ist ein Kunde als „heisser Lead“ markiert, weil er ein Whitepaper heruntergeladen hat. Im ERP-System ist derselbe Kunde jedoch als Bestandskunde mit einem offenen Service-Ticket geführt. Das Ergebnis: Der Vertrieb kontaktiert einen verärgerten Kunden mit einem unpassenden Neukundenangebot. Diese Form der Daten-Arbitrage, bei der Abteilungen basierend auf unterschiedlichen Informationsständen agieren, ist pures Gift für die Kundenbeziehung und Ihre Effizienz.

Die Ursache liegt in isolierten Datensilos. Jede Abteilung pflegt ihre eigene „Wahrheit“ in spezialisierten Tools, die nicht miteinander kommunizieren. Diese fehlende Synchronisation ist keine Kleinigkeit. Eine mangelnde Abstimmung zwischen Vertrieb und Marketing kann laut einer Studie zu bis zu 20 % Umsatzverlust führen. Der Dominoeffekt ist fatal: Ein falscher Status führt zu einer falschen Ansprache, was zu einer schlechten Kundenerfahrung führt und im schlimmsten Fall in der Abwanderung des Kunden gipfelt.

Die Lösung liegt in der Schaffung einer „Single Source of Truth“. Es muss eine klare Hierarchie geben, welches System (typischerweise das CRM) die führenden Kundendaten enthält und wie diese Informationen in Echtzeit mit allen anderen relevanten Systemen wie dem ERP oder Marketing-Tool synchronisiert werden. Nur wenn alle Abteilungen auf exakt dieselbe, aktuelle Datenbasis blicken, können sie konzertiert und im Sinne des Kunden handeln. Es geht darum, eine verbindliche Dateninfrastruktur zu schaffen, die abteilungsübergreifend gilt.

Wie definieren Sie den Handschlag zwischen Marketing und Vertrieb vertraglich (SLA)?

Der Moment, in dem ein Lead vom Marketing an den Vertrieb übergeben wird, ist einer der kritischsten Punkte in der gesamten Umsatz-Wertschöpfungskette. Ohne eine klare, verbindliche Regelung ist dieser „Handschlag“ oft unkoordiniert und basiert auf Annahmen. Das Marketing wirft Leads über den Zaun, und der Vertrieb entscheidet nach Gutdünken, welche er kontaktiert. Dies führt zu Ineffizienz, verlorenen Chancen und gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Die professionelle Lösung ist ein Service Level Agreement (SLA). Dies ist kein bürokratisches Dokument, sondern ein Vertrag, der die gegenseitigen Verpflichtungen und Erwartungen festschreibt. Die HubSpot-Forschung zeigt, dass die Implementierung eines solchen Abkommens enorme Auswirkungen hat: 81 % der Marketer, die ein SLA nutzen, entwickeln effektivere Marketingstrategien. Ein SLA transformiert die Zusammenarbeit von einem vagen Wunsch nach „Kooperation“ in einen messbaren, accountablen Prozess.

Zwei Geschäftsleute schütteln Hände über einem Vertragskonzept mit abstrakten Verbindungslinien, was den Abschluss eines Service Level Agreements symbolisiert.

Ein wirksames SLA zwischen Marketing und Vertrieb sollte mindestens folgende Punkte definieren:

  • Definition eines Sales Qualified Leads (SQL): Anhand welcher konkreten Kriterien (z.B. Firmengrösse, Position des Ansprechpartners, gezeigtes Verhalten) wird ein Lead als „vertriebsreif“ eingestuft?
  • Verpflichtung des Marketings: Wie viele SQLs verpflichtet sich das Marketing, pro Monat oder Quartal zu liefern?
  • Verpflichtung des Vertriebs: Innerhalb welches Zeitfensters (z.B. 24 Stunden) muss der Vertrieb einen SQL kontaktieren? Wie viele Kontaktversuche sind mindestens erforderlich?
  • Feedback-Prozess: Wie gibt der Vertrieb Feedback zur Lead-Qualität an das Marketing zurück, damit dieses seine Strategien anpassen kann?

Wo stecken Angebote fest und wie beschleunigen Sie die Unterschrift?

Der Prozess der Angebotserstellung ist oft eine „Blackbox“. Komplexe Produkte, individuelle Preiskalkulationen und manuelle Freigabeschleifen führen dazu, dass der Vertrieb wertvolle Zeit verliert, während der Kunde wartet. Jede Verzögerung in dieser Phase erhöht das Risiko, dass der Wettbewerb schneller ist oder der Kunde das Interesse verliert. Angebote bleiben in E-Mail-Postfächern, Excel-Tabellen oder bei Vorgesetzten zur Genehmigung stecken.

Die Beschleunigung dieses Prozesses erfordert eine Systematisierung. Hier kommen Configure, Price, Quote (CPQ)-Systeme ins Spiel. Diese Softwarelösungen führen den Vertriebsmitarbeiter durch einen geführten Prozess, um schnell fehlerfreie, individuell konfigurierte Angebote zu erstellen. Komplexe Preisregeln und Rabattstrukturen sind im System hinterlegt, was manuelle Kalkulationen und Rückfragen überflüssig macht. Die durch beschleunigte Auftrags- und Bestellprozesse mit CPQ-Systemen möglichen Einsparungen sind enorm und können bis zu 70 % Kosten- und Zeitersparnis betragen.

Fallstudie: Riverhead Building Supply steigert Effizienz mit CPQ

Der Baustofflieferant Riverhead Building Supply stand vor der Herausforderung, komplexe und zeitaufwändige Angebote manuell zu erstellen. Durch die Implementierung einer CPQ-Lösung von Infor konnte das Unternehmen den Prozess von Wochen auf Minuten reduzieren. Das Ergebnis war nicht nur eine drastisch verbesserte Kundenzufriedenheit, sondern auch eine Umsatzsteigerung von 25 %, da der Vertrieb mehr Zeit für den Verkauf und weniger für administrative Aufgaben aufwenden konnte.

Ein CPQ-System ist jedoch nur ein Teil der Lösung. Es muss tief in Ihr CRM integriert sein, damit alle Angebotsdaten direkt am Kundenprofil gespeichert werden. Dies ermöglicht es Ihnen als CRO, in Echtzeit zu sehen, in welcher Phase sich welche Angebote befinden, wo Engpässe entstehen und wie hoch der Wert Ihrer Pipeline tatsächlich ist. So wird aus der Blackbox ein transparentes, steuerbares System.

Das Risiko, wenn sich niemand für den Kunden verantwortlich fühlt, sobald der Vertrag unterschrieben ist

Der Moment der Vertragsunterzeichnung ist oft der Höhepunkt für das Vertriebsteam. Für den Kunden jedoch ist es erst der Anfang. Genau hier lauert eine der gefährlichsten Lücken in der Umsatz-Wertschöpfungskette: die Übergabe vom Vertrieb an das Onboarding-, Customer-Success- oder Service-Team. Wenn dieser „Handoff“ unstrukturiert verläuft, fühlt sich der Kunde verlassen. Wertvolle Informationen über seine Ziele, Erwartungen und Kaufgründe, die im Vertriebsprozess gesammelt wurden, gehen verloren.

Das Ergebnis ist ein „verwaister Kunde“ (Orphan Customer). Das Service-Team muss bei null anfangen und stellt dieselben Fragen erneut, was den Kunden frustriert und den Eindruck erweckt, Ihr Unternehmen sei unorganisiert. Dieses Gefühl, dass sich nach der Unterschrift niemand mehr verantwortlich fühlt, ist ein Hauptgrund für frühen Kunden-Churn. Die Verantwortung darf nicht an der Abteilungsgrenze enden; sie muss den Kunden nahtlos begleiten.

Abstraktes Kreislaufdiagramm, das die nahtlose Kundenbetreuung nach Vertragsabschluss symbolisiert, dargestellt durch eine runde Teamkonstellation.

Ein strukturierter Handoff-Prozess ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Er stellt sicher, dass das im Vertrieb aufgebaute Vertrauen und Wissen als Fundament für eine langfristige, profitable Kundenbeziehung dient. Dieser Prozess muss, genau wie die Lead-Übergabe, klar definiert und messbar sein.

Ihr Aktionsplan: Den nahtlosen Kunden-Handoff gestalten

  1. Standardisiertes Übergabeprotokoll definieren: Erstellen Sie eine Checkliste oder ein Formular im CRM, das der Vertrieb ausfüllen muss, bevor ein Deal als „geschlossen“ markiert wird.
  2. Relevante Informationen dokumentieren: Legen Sie fest, welche Informationen zwingend weitergegeben werden müssen (z.B. Hauptkaufgrund, erwarteter ROI, wichtige Stakeholder, besprochene Sonderkonditionen).
  3. Post-Sale-KPIs für den Vertrieb einführen: Koppeln Sie einen kleinen Teil der Vertriebsprovision an den Erfolg des Kunden in den ersten 90 Tagen (z.B. erfolgreiches Onboarding, erste Nutzung).
  4. Feedback-Schleifen etablieren: Sammeln Sie nach dem Onboarding und ersten Service-Interaktionen proaktiv Feedback vom Kunden und teilen Sie dieses mit dem ursprünglichen Vertriebsmitarbeiter.
  5. Gemeinsames Kick-off-Meeting: Führen Sie für strategisch wichtige Kunden ein gemeinsames Übergabegespräch mit Vertrieb, Customer Success und dem Kunden durch.

Wann sehen Sie endlich den kompletten Weg vom ersten Klick bis zum 5. Jahresumsatz?

Die meisten Unternehmen messen den Erfolg ihrer Abteilungen in isolierten Kennzahlen: Marketing-Qualified Leads (MQLs) für das Marketing, abgeschlossene Deals für den Vertrieb, Lösungszeiten für den Service. Als CRO wissen Sie, dass diese Metriken nur einen winzigen Teil der Geschichte erzählen. Sie optimieren einzelne Etappen eines Rennens, ohne zu wissen, wer das Rennen am Ende gewinnt. Was nützt ein günstiger Lead, wenn der daraus resultierende Kunde nach drei Monaten wieder kündigt?

Die RevOps-Perspektive erfordert einen radikalen Wechsel hin zu einer ganzheitlichen Messung: dem Customer Lifetime Value (CLV). Der CLV ist die ultimative Metrik, da er den gesamten Weg vom ersten Klick über die Akquisekosten bis hin zu allen zukünftigen Umsätzen und der Kundenbindung abbildet. Die Bedeutung dieser Kennzahl ist immens: Bereits eine 5%ige Steigerung der Kundenbindung kann den Gewinn um das Fünffache oder mehr steigern, da treue Kunden mehr kaufen und günstiger zu betreuen sind.

Die Berechnung und Nutzung des CLV ermöglicht es Ihnen, strategische Entscheidungen auf einer soliden Datengrundlage zu treffen. Beispielsweise nutzte ein Maschinenbauunternehmen mit langjährigen Kundenbeziehungen den CLV zur Budgetplanung. Bei einem Jahresumsatz von 3.200 € pro Kunde und einer durchschnittlichen Kundenlebensdauer von 10 Jahren ergab sich ein CLV von über 22.000 €. Diese Zahl rechtfertigt höhere Anfangsinvestitionen in die Akquise der richtigen Kundentypen und ermöglicht eine präzise ROI-Optimierung der Marketingkanäle.

Um eine solche End-to-End-Sicht zu erhalten, müssen Daten aus dem gesamten Kundenlebenszyklus – Web-Analyse, CRM, ERP, Service-Tickets – in einer einzigen Plattform zusammengeführt werden. Nur so können Sie Muster erkennen: Welche Marketingkampagnen bringen die profitabelsten Kunden? Welche Vertriebsmitarbeiter schliessen Deals mit dem höchsten CLV ab? Welche Service-Interaktionen erhöhen die Kundenbindung?

Warum kosten Abteilungssilos Sie jährlich bis zu 15 % der operativen Marge?

Die Zahl ist provokant, aber realistisch. Die versteckten Kosten von Abteilungssilos sind oft weitaus höher, als auf den ersten Blick ersichtlich ist, und fressen direkt Ihre operative Marge auf. Diese Kosten entstehen nicht durch einzelne Fehler, sondern durch systemische Ineffizienzen, die sich über die gesamte Organisation summieren. Es handelt sich um eine „Silo-Steuer“, die Ihr Unternehmen jeden Tag zahlt.

Um diese abstrakte Zahl greifbar zu machen, müssen wir die Kosten in vier konkrete Kategorien unterteilen. Diese Aufschlüsselung hilft Ihnen, die finanziellen Auswirkungen in Ihrem eigenen Unternehmen zu quantifizieren und die Dringlichkeit für eine RevOps-Initiative zu untermauern.

  • Ineffizienzkosten: Dies sind die offensichtlichsten Kosten. Berechnen Sie die Arbeitsstunden, die Mitarbeiter wöchentlich für manuelle Datenabgleiche, die Korrektur von Fehlern aufgrund inkonsistenter Informationen oder die Suche nach der richtigen Kundenhistorie aufwenden. Multiplizieren Sie diese Stunden mit den durchschnittlichen Stundensätzen, um einen konkreten Euro-Betrag zu erhalten.
  • Opportunitätskosten: Dies sind die Kosten für verpasste Geschäfte. Wenn der Vertrieb keine Einsicht in die Service-Historie hat, verpasst er Signale für Upselling- oder Cross-Selling-Möglichkeiten. Wenn das Marketing nicht weiss, welche Kunden am profitabelsten sind, investiert es Budget in die falschen Kanäle. Quantifizieren Sie den potenziellen Wert dieser verpassten Deals.
  • Akquisitionskosten: Ein grosser Teil des Marketingbudgets wird für die Lead-Generierung ausgegeben. Wenn diese Leads aufgrund eines schlechten Übergabeprozesses nicht oder zu spät vom Vertrieb bearbeitet werden, ist dieses Geld verschwendet. Ermitteln Sie, wie viele generierte Leads nie zu einer echten Verkaufschance werden und was deren Akquisition gekostet hat.
  • Churn-Kosten: Kundenverluste sind am teuersten. Schlechte Übergaben vom Vertrieb zum Service, unpersönliche Kommunikation aufgrund fehlender Daten und das Gefühl, „nur eine Nummer“ zu sein, sind direkte Folgen von Silos und treiben die Abwanderungsrate in die Höhe. Beziffern Sie den Umsatzverlust durch Kunden, die in den ersten 12 Monaten kündigen.

Die Summe dieser vier Kostenblöcke offenbart das wahre Ausmass des Schadens. Die Beseitigung von Silos ist somit keine IT-Übung, sondern eine der wirksamsten strategischen Initiativen zur Steigerung der Profitabilität.

Wie verknüpfen Sie CRM- und ERP-Daten für eine Echtzeit-Umsatzanalyse?

Die theoretische Forderung nach einer „Single Source of Truth“ ist einfach, die technische Umsetzung jedoch eine Herausforderung. CRM-Systeme (wie Salesforce, HubSpot) sind auf die Verwaltung von Kundenbeziehungen und Vertriebsprozessen optimiert. ERP-Systeme (wie SAP, Navision) sind das finanzielle Rückgrat des Unternehmens und verwalten Rechnungen, Lagerbestände und Auftragsabwicklung. Die wahre Magie von RevOps entsteht erst, wenn diese beiden Welten nahtlos miteinander verbunden werden.

Die Verknüpfung ermöglicht es Ihnen, Fragen zu beantworten, die vorher unbeantwortbar waren: Welcher Lead-Quelle sind die höchsten Deckungsbeiträge zuzuordnen? Welche Kunden haben die beste Zahlungsmoral? Wie wirkt sich die Dauer des Vertriebszyklus auf die Marge aus? Die technische Realisierung hängt stark von Ihrer bestehenden IT-Landschaft ab. Gerade im deutschen Mittelstand sind die Gegebenheiten oft heterogen. Eine Statista-Erhebung zeigt, dass während 52 % der KMU noch auf On-Premises-Lösungen für ihr ERP setzen, der Trend klar in Richtung Cloud-basierter Systeme geht, was die Integration erleichtert.

Für die Verbindung von CRM und ERP gibt es verschiedene architektonische Ansätze. Die Wahl der richtigen Methode ist eine strategische Entscheidung, die von Ihrem Budget, Ihrer IT-Kompetenz und Ihren Flexibilitätsanforderungen abhängt, wie die folgende Analyse der gängigsten Integrationsmethoden zeigt.

Integrationsmethoden für die CRM-ERP-Verbindung
Methode Vorteile Nachteile Eignung
Native Konnektoren Einfache Einrichtung, Support vom Hersteller Begrenzte Flexibilität, oft nur für Standardprozesse KMU mit Standardprozessen und Systemen desselben Herstellers
Middleware (iPaaS wie Zapier, Make) Sehr flexibel, Tausende von Integrationen möglich, keine tiefe Programmierung nötig Laufende Kosten, Performance-Limits bei hohem Datenvolumen Flexibler Mittelstand mit diverser Cloud-Tool-Landschaft
Individuelle API-Entwicklung Volle Kontrolle, massgeschneidert auf exakte Prozesse, höchste Performance Hohe Initialkosten für Entwicklung und Wartung Grossunternehmen mit komplexen, einzigartigen Anforderungen
BI-Tools als Analyse-Layer Keine direkte Daten-Synchronisation nötig, schnelle Implementierung für Reporting Nur Reporting, keine prozessuale Integration (z.B. automatischer Rechnungsversand) Alle Unternehmensgrössen für den reinen Analyse-Start

Unabhängig von der gewählten Methode ist das Ziel immer dasselbe: einen bidirektionalen Datenfluss zu schaffen, der sicherstellt, dass ein im CRM geschlossener Deal automatisch einen Auftrag im ERP auslöst und umgekehrt eine im ERP erstellte Rechnung im CRM des Kunden sichtbar ist. Diese Transparenz ist die Grundlage für eine echte 360-Grad-Sicht und eine datengestützte Unternehmenssteuerung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Reibungsverluste zwischen Abteilungen sind ein teurer Systemfehler, kein weiches Kulturproblem. Ihre Lösung erfordert einen ingenieurmässigen Ansatz.
  • Verbindliche Verträge (SLAs) und klar definierte Prozess-Übergaben (Handoffs) bilden das Fundament für eine rechenschaftspflichtige Zusammenarbeit.
  • Eine integrierte Datenlandschaft, die CRM- und ERP-Systeme verbindet, ist die unumstössliche Voraussetzung für eine ganzheitliche Sicht auf die Umsatz-Wertschöpfungskette.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Aussendienst Kundendaten in Echtzeit pflegt und nutzt?

Die beste Dateninfrastruktur ist wertlos, wenn die Daten an der Front nicht konsequent gepflegt werden. Der Aussendienst ist oft das grösste Sorgenkind: Besprechungsnotizen werden auf Zetteln gekritzelt, CRM-Einträge werden erst am Ende der Woche (oder gar nicht) aktualisiert. Die Rechtfertigung ist oft dieselbe: „Ich bin zum Verkaufen da, nicht zum Tippen.“ Diese Einstellung untergräbt die gesamte RevOps-Strategie.

Druck und Kontrolle sind hier der falsche Ansatz. Der Schlüssel liegt darin, dem Vertriebsteam den persönlichen Nutzen (What’s In It For Me – WIIFM) einer sauberen Datenpflege aufzuzeigen. Wenn Daten nicht nur als Kontrollinstrument, sondern als Werkzeug für besseres Coaching und höhere Abschlussquoten positioniert werden, ändert sich die Motivation. Ein Vertriebsleiter, der Einblick in aktuelle CRM-Daten hat, kann gezielt unterstützen, wie es eine RevOps-Strategieberatung formuliert:

Daten sind die Grundlage für effektives Coaching. Als Vertriebsleiter kann ich sehen: ‚Deine Deals in Phase X bleiben überdurchschnittlich lange hängen, lass uns gezielt darüber sprechen, woran das liegt.‘

– Best Practice Vertriebsführung, RevOps Strategieberatung

Neben dem Coaching-Aspekt können technische Vereinfachungen und Gamification-Elemente die Akzeptanz massiv erhöhen. Das Ziel muss sein, die Dateneingabe so einfach und lohnenswert wie möglich zu machen.

  • Pflichtfelder reduzieren: Beschränken Sie die Pflichtfelder im mobilen CRM auf das absolute Minimum, das für den Prozess notwendig ist.
  • Voice-to-Text nutzen: Aktivieren Sie Funktionen, mit denen Vertriebsmitarbeiter ihre Notizen direkt nach einem Meeting ins Smartphone diktieren können.
  • Gamification einführen: Erstellen Sie Leaderboards für die höchste Datenqualität oder schnellste Aktualisierung nach einem Termin. Belohnen Sie die besten Mitarbeiter öffentlich.
  • Automatisierte Anreicherung: Nutzen Sie Tools, die Firmendaten (z.B. aus LinkedIn) automatisch im CRM anreichern, um manuelle Eingaben zu reduzieren.

Wenn der Aussendienst erkennt, dass aktuelle Daten ihm helfen, relevantere Gespräche zu führen, von der Verwaltung entlastet zu werden und gezieltere Unterstützung zu erhalten, wird die Datenpflege von einer lästigen Pflicht zu einem wertvollen Werkzeug für den eigenen Erfolg.

Beginnen Sie jetzt mit der Analyse Ihrer Umsatz-Wertschöpfungskette. Identifizieren Sie den einen, kritischsten Prozess-Handschlag – sei es zwischen Marketing und Vertrieb oder Vertrieb und Service – und definieren Sie die Regeln für diese Übergabe als Ihr erstes, verbindliches Service Level Agreement. Dies ist der erste, entscheidende Schritt zum Aufbau einer robusten und skalierbaren RevOps-Architektur.

Geschrieben von Lena Volkov, B2B-Vertriebsstrategin und CRM-Expertin mit Fokus auf Sales-Automation und Pipeline-Management. Sie hat in den letzten 10 Jahren Vertriebsteams im Tech- und Servicesektor aufgebaut und zu Höchstleistungen geführt.