Veröffentlicht am März 15, 2024

Der Verlust von 20 % Ihrer Kunden ist kein Kanal-Problem, sondern die Folge operativer Reibung zwischen Ihren Touchpoints.

  • Erfolgreiche Orchestrierung erfordert die Synchronisation von Backend-Prozessen mit der sichtbaren Customer Journey.
  • Eine einheitliche Datenbasis (CDP) ist die Grundlage, aber ohne angepasste Tonalität und faire Erfolgsattribution bleibt sie wirkungslos.

Empfehlung: Beginnen Sie mit einem Audit Ihrer internen Prozesse mittels Service Blueprinting, um die kritischsten Reibungspunkte zu identifizieren, bevor Sie in neue Technologien investieren.

Als Marketingleiter kennen Sie das frustrierende Gefühl: Die Online-Kampagne läuft brillant, die Klickraten sind hoch, doch die Conversion-Rate bricht unerklärlich ein. Kunden legen Produkte auf dem Smartphone in den Warenkorb, schliessen den Kauf aber am Desktop nie ab. Oder schlimmer: Ein Kunde, der online bestellt hat, macht im Ladengeschäft eine negative Erfahrung und kehrt nie wieder. Diese Lücke, dieser Bruch in der Customer Journey, ist der Ort, an dem bis zu 20 % Ihrer potenziellen Umsätze und Ihrer hart erarbeiteten Kundenbeziehungen verloren gehen.

Die gängigen Ratschläge sind bekannt: Man müsse eine „Omnichannel-Strategie“ haben, mehr Kundendaten sammeln oder einfach auf allen Kanälen präsent sein. Doch diese Ansätze greifen oft zu kurz. Sie führen zu mehr Komplexität, isolierten Daten und einer inkonsistenten Markenbotschaft. Das Problem ist selten die Anzahl der Kanäle, sondern die mangelnde Synchronisation dazwischen. Es entsteht eine Art von „Kanal-Reibung“, die das Kundenerlebnis stört und Vertrauen untergräbt.

Doch was wäre, wenn die Lösung nicht in noch mehr Technologie oder weiteren Kanälen läge, sondern in einer fundamental anderen Denkweise? Wenn der Schlüssel darin bestünde, die internen, unsichtbaren Abläufe mit den externen, sichtbaren Kunden-Touchpoints in Einklang zu bringen? Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Diskussion über Omnichannel und taucht tief in die operative Synchronisation ein. Wir werden nicht nur das „Was“ beleuchten, sondern vor allem das „Wie“: Wie Sie Daten wirklich orchestrieren, wie Sie Ihre Tonalität kanalspezifisch anpassen, ohne die Marke zu verwässern, und wie Sie den Erfolg fair zuweisen, um eine wirklich nahtlose und profitable Customer Journey zu schaffen.

Dieser Leitfaden ist Ihre strategische Roadmap zur Beseitigung der unsichtbaren Barrieren in Ihrer Kundenansprache. Wir werden die häufigsten Fehlerquellen analysieren und Ihnen konkrete, umsetzbare Lösungen an die Hand geben, um die Lücke zwischen Ihren Kanälen zu schliessen und jeden Kundenkontakt zu einer kohärenten Markenerfahrung zu machen.

Wie führen Sie Kundendaten zusammen, um Dubletten und peinliche Doppelansprachen zu vermeiden?

Das Fundament jeder nahtlosen Kundenansprache ist eine saubere, konsolidierte Datenbasis. Ohne sie agieren Sie im Blindflug. Das klassische Problem sind Datensilos: Das E-Mail-System kennt den Kunden unter seiner privaten Adresse, das CRM unter der geschäftlichen und das Kassensystem im Laden nur über seine Kreditkartennummer. Das Resultat sind peinliche Doppelansprachen, irrelevante Angebote und ein fragmentiertes Kundenbild. Ein Kunde, der gerade online ein Produkt gekauft hat, erhält per E-Mail einen Rabatt auf genau diesen Artikel. Das ist nicht nur ineffizient, sondern zerstört aktiv das Vertrauen in Ihre Marke.

Die Lösung liegt in der strategischen Daten-Orchestrierung, die weit über das blosse Sammeln von Daten hinausgeht. Eine Customer Data Platform (CDP) ist hierbei das zentrale Werkzeug. Sie fungiert als Gehirn Ihres Marketings, indem sie Daten aus allen Quellen – online, offline, mobil, Drittanbieter – aufnimmt, bereinigt und zu einem einzigen, persistenten Kundenprofil zusammenführt. Dieser „Golden Record“ ermöglicht es, den Kunden an jedem Touchpoint wiederzuerkennen und ihm eine konsistente Erfahrung zu bieten.

Die Implementierung einer CDP ist keine rein technische, sondern eine strategische Entscheidung. Sie erfordert eine klare Definition der zu verbindenden Datenpunkte (IDs, E-Mails, Cookies, Telefonnummern) und einen sauberen Prozess zur Auflösung von Dubletten. Der Erfolg ist jedoch messbar und signifikant.

Fallstudie: U.S. Bank verdoppelt Match-Raten mit CDP

Durch die Implementierung einer fortschrittlichen CDP-Lösung konnte die U.S. Bank ihre Fähigkeit, Kunden über verschiedene Plattformen hinweg zu identifizieren, drastisch verbessern. Laut einem Bericht von LiveRamp führten die Massnahmen zu einer Verdopplung bis Verdreifachung der Match-Raten. Konkret stiegen die deterministischen Matching-Raten, die auf eindeutigen Identifikatoren wie E-Mail-Adressen basieren, um durchschnittlich 52 % im Vergleich zum Standard-Hashing. Dies zeigt, wie eine durchdachte Datenstrategie die Grundlage für personalisierte und effiziente Kommunikation legt.

Letztendlich geht es darum, von einem reaktiven Datenmanagement zu einer proaktiven Kundenkenntnis zu gelangen. Nur so können Sie sicherstellen, dass jede Interaktion auf der vorherigen aufbaut und den Kunden in seiner Journey voranbringt, statt ihn zu verwirren.

Der Fehler bei der Abholung im Laden, der den Online-Kunden für immer vergrault

Click & Collect ist das Paradebeispiel für die Verschmelzung von Online- und Offline-Welt – und der gefährlichste Punkt für Kanal-Reibung. Ein Kunde hat online eine reibungslose Erfahrung gemacht: intuitive Navigation, einfacher Checkout, klare Kommunikation. Doch bei der Abholung im Laden zerbricht dieses positive Bild. Lange Wartezeiten, uninformierte Mitarbeiter, die das Paket nicht finden, oder ein Produkt, das trotz Online-Bestätigung nicht vorrätig ist. Dieser eine negative Moment kann die gesamte vorangegangene positive Erfahrung zunichtemachen und den Kunden dauerhaft vergraulen.

Die Erwartungshaltung der Kunden ist eindeutig: Sie wollen Komfort und Effizienz. Wie eine aktuelle Shopify-Studie zeigt, geben 87 % der Millennials an, dass Komfort für sie ein entscheidender Faktor beim Einkaufen ist. Ein misslungenes Click & Collect-Erlebnis ist das genaue Gegenteil von Komfort. Es signalisiert dem Kunden, dass Ihre internen Prozesse nicht mit Ihrem Online-Versprechen Schritt halten. Das Problem liegt fast immer in der mangelnden Synchronisation zwischen dem E-Commerce-System und der Filiallogistik.

Um diese Reibung zu beseitigen, müssen Sie die Brücke zwischen digitaler und physischer Welt operativ stabil bauen. Das erfordert mehr als nur eine Abholtheke im Eingangsbereich. Es geht um eine nahtlose Integration von Daten und Prozessen, die dem Mitarbeiter im Laden die gleichen Informationen zur Verfügung stellt, die der Kunde online sieht.

Die folgenden Schritte sind entscheidend für ein erfolgreiches Click & Collect-Erlebnis:

  1. Echtzeit-Bestandssynchronisierung: Implementieren Sie ein System, das den Warenbestand von Online-Shop und Filiale in Echtzeit abgleicht, um „Out of Stock“-Überraschungen zu vermeiden.
  2. Mobile Endgeräte für Mitarbeiter: Statten Sie Ihr Personal mit Geräten aus, die Zugriff auf die Kundenhistorie und Bestelldetails bieten, damit sie schnell und kompetent helfen können.
  3. Dedizierte Abholzonen: Richten Sie klar gekennzeichnete Abholbereiche mit digitaler Wegführung ein, um die Suche und Wartezeit für den Kunden zu minimieren.
  4. Proaktive Kommunikation: Führen Sie automatisierte SMS- oder App-Benachrichtigungen ein, um den Kunden sofort über den Status seiner Bestellung oder eventuelle Verzögerungen zu informieren.
  5. Definierter Eskalationsprozess: Legen Sie fest, was passiert, wenn ein Produkt wider Erwarten nicht verfügbar ist (z. B. sofortige Alternative, kostenloser Versand nach Hause).

Am Ende ist eine exzellente In-Store-Erfahrung die beste Bestätigung für die Online-Kaufentscheidung. Sie verwandelt einen einmaligen Käufer in einen loyalen, kanalübergreifenden Kunden.

Instagram vs. Newsletter: Welcher Kanal braucht welche Tonalität ohne die Marke zu verwässern?

Ein häufiger Fehler bei der Kanal-Orchestrierung ist das reine „Content Repurposing“ – das simple Kopieren und Einfügen von Inhalten über verschiedene Plattformen hinweg. Ein formeller Newsletter-Text wirkt auf Instagram deplatziert und hölzern, während ein lockerer, emoji-reicher Instagram-Post in einem B2B-Newsletter unprofessionell erscheinen kann. Das Ergebnis ist eine verwässerte Marke, die auf keinem Kanal wirklich authentisch wirkt. Die Herausforderung besteht darin, eine kanalspezifische Tonalität zu entwickeln, die flexibel genug ist, um die Erwartungen der jeweiligen Zielgruppe zu erfüllen, aber gleichzeitig konsistent genug, um den Markenkern zu bewahren.

Stellen Sie sich Ihre Marke als eine Person vor. Diese Person hat eine feste Persönlichkeit (Ihren Markenkern, Ihre Werte), aber sie passt ihre Sprache und ihren Tonfall an die Situation an. Mit Freunden spricht sie anders als in einem Geschäftstreffen. Genau dieses Prinzip gilt für Ihre Kanäle. Statt einer Einheits-Tonalität benötigen Sie eine Tonalitäts-Matrix. Diese definiert, wie sich die Kernattribute Ihrer Marke (z.B. „innovativ“, „verlässlich“, „spielerisch“) auf den verschiedenen Kanälen manifestieren.

Der Schlüssel liegt, wie Digital-Marketing-Experten in einer Analyse betonen, in einem veränderten Ansatz:

Content Re-Imagining statt Content Repurposing: Das reine Crossposten von Inhalten scheitert.

– Digital Marketing Experten, Online-Marketing-Berater Analyse

„Re-Imagining“ bedeutet, die Kernbotschaft einer Kampagne zu nehmen und sie für jeden Kanal neu zu erfinden. Für Instagram könnte das eine visuell getriebene Story sein, für den Newsletter eine detaillierte Fallstudie und für Twitter ein prägnanter Fakt mit Link. Die Botschaft bleibt dieselbe, die Ausführung ist massgeschneidert.

Visuelle Darstellung der Balance zwischen Markenkern und kanalspezifischer Flexibilität

Wie dieses Bild andeutet, geht es um eine harmonische Balance. Die visuellen Elemente und die Kernwerte (der Markenkern) bleiben konsistent, während die spezifische Ausgestaltung und der Ton (die kanalspezifische Anpassung) variieren. So stellen Sie sicher, dass Ihre Marke auf jedem Kanal wiedererkennbar und relevant ist.

Eine durchdachte Tonalitäts-Matrix ist kein kreatives Korsett, sondern ein strategischer Kompass, der sicherstellt, dass Ihre Marke auf allen Kanälen mit einer Stimme spricht, auch wenn sie unterschiedliche Dialekte verwendet.

Wann sollten Sie Budgets von Print zu Mobile verschieben, um die Generation Z zu erreichen?

Die Frage der Budgetverteilung zwischen traditionellen und digitalen Kanälen ist für jeden Marketingleiter ein Dauerthema. Insbesondere bei der Ansprache jüngerer Zielgruppen wie der Generation Z scheint die Antwort klar: Weg von Print, alles auf Mobile. Doch diese pauschale Annahme ignoriert die Komplexität der modernen Customer Journey. Kunden leben nicht in Kanal-Silos. Sie sehen eine Anzeige in einer Zeitschrift, suchen auf dem Handy nach dem Produkt und kaufen es später am Laptop. Tatsächlich verlaufen laut Criteo bereits 31 % der Transaktionen in den USA über zwei oder mehr Endgeräte, was die Notwendigkeit einer kanalübergreifenden Strategie unterstreicht.

Eine intelligente Budgetallokation basiert nicht auf dem Prinzip „Alles oder Nichts“, sondern auf einer differenzierten Betrachtung der Stärken jedes Kanals im Kontext Ihrer Marketingziele. Anstatt Print komplett abzuschreiben, sollten Sie seine Rolle in der Customer Journey neu bewerten. Print kann hervorragend für hochwertiges Storytelling und Markenbildung funktionieren, während Mobile für die sofortige Aktivierung und Conversion optimiert ist. Die Frage ist also nicht *ob*, sondern *wann* und *wofür* Sie die Budgets einsetzen.

Die Entscheidung sollte datengestützt sein und die spezifischen Eigenschaften jedes Kanals berücksichtigen. Eine Gegenüberstellung hilft, die jeweiligen Stärken und Schwächen klar zu erkennen.

Print vs. Mobile: Zielgruppenspezifische Wirksamkeit
Kriterium Print Mobile
Markenbildung Sehr stark Mittel
Sofortige Aktivierung Schwach Sehr stark
Messbarkeit Begrenzt Exzellent
Gen Z Reichweite Niedrig Sehr hoch

Diese Tabelle macht deutlich, dass eine Budgetverschiebung hin zu Mobile zur Erreichung der Gen Z unumgänglich ist, insbesondere wenn es um Aktivierung und Messbarkeit geht. Aber für Ziele wie die Etablierung einer Premium-Markenwahrnehmung kann ein hochwertiges Print-Magazin immer noch einen wertvollen, wenn auch kleineren, Beitrag leisten. Eine dynamische Budgetierung, die sich an Kampagnenzielen und Performance-Daten orientiert, ist der Schlüssel.

Anstatt Kanäle gegeneinander auszuspielen, sollten Sie sie als ein Orchester betrachten, in dem jedes Instrument seine eigene, unverzichtbare Rolle spielt. Ihre Aufgabe als Dirigent ist es, das Zusammenspiel zu optimieren.

Headless CMS oder Monolith: Was ermöglicht schnellere Kampagnen auf allen Geräten?

Die Agilität Ihrer Marketingkampagnen hängt entscheidend von der zugrundeliegenden technologischen Architektur ab. Oft sind es starre, veraltete Content-Management-Systeme (CMS), die eine schnelle und konsistente Ausspielung von Inhalten auf neuen Kanälen wie Smartwatches, Voice Assistants oder In-Store-Displays verhindern. Traditionelle, monolithische CMS koppeln das Backend (die Datenverwaltung) fest mit dem Frontend (der Darstellung, z. B. einer Website). Jede neue Benutzeroberfläche erfordert aufwendige Anpassungen im Kernsystem, was Innovationen ausbremst.

Hier setzt das Konzept des Headless CMS an. Es entkoppelt das „Backend“ (den Körper) vom „Frontend“ (dem Kopf). Der Inhalt wird zentral in einem reinen Daten-Repository verwaltet und über eine API (Application Programming Interface) bereitgestellt. Dies gibt den Entwicklern die Freiheit, für jeden Kanal – sei es eine Website, eine mobile App, ein Kiosk-System oder ein IoT-Gerät – ein massgeschneidertes Frontend zu entwickeln, ohne das Backend zu verändern. Das Ergebnis ist eine dramatisch höhere Geschwindigkeit und Flexibilität bei der Einführung neuer Touchpoints und Kampagnen.

Architekturvergleich zwischen Headless CMS und monolithischen Systemen

Wie die Illustration zeigt, gleicht eine monolithische Architektur einer starren, fest verbundenen Struktur, während eine Headless-Architektur modular und flexibel ist, was schnelle Anpassungen und Erweiterungen ermöglicht. Doch ein kompletter Umstieg von einem Monolithen auf eine reine Headless-Struktur ist ein massives Unterfangen. Ein pragmatischerer Ansatz gewinnt an Bedeutung: die Composable Architecture. Hierbei werden schrittweise einzelne Funktionen (z. B. die Produktsuche oder der Checkout) aus dem Monolithen als eigenständige Microservices ausgelagert. Dies ermöglicht schnelle Erfolge und eine graduelle Modernisierung. Der Trend zu solchen modularen Ansätzen ist deutlich: Ein Bericht von Twilio Segment zeigt ein 57 % Wachstum bei Predictive Traits, die auf solchen entkoppelten Architekturen basieren, was die Fähigkeit zur schnellen Anpassung unterstreicht.

Letztendlich muss Ihre technologische Infrastruktur Ihrem Marketing dienen, nicht umgekehrt. Eine flexible, zukunftssichere Architektur ist die Voraussetzung dafür, die Chancen der digitalen Transformation voll auszuschöpfen und Ihren Kunden auf jedem erdenklichen Kanal eine erstklassige Erfahrung zu bieten.

Wie synchronisieren Sie interne Abläufe mit den Touchpoints Ihrer Kunden?

Die grösste Quelle für Kanal-Reibung liegt oft nicht in der Technologie, sondern in der Organisation selbst. Eine nahtlose Customer Journey kann nicht existieren, wenn Ihre internen Teams in Silos arbeiten. Das Marketing-Team plant eine Kampagne, ohne die Logistik über die erwartete Nachfrage zu informieren. Der Kundenservice hat keinen Einblick in die Kaufhistorie des Kunden. Jede Abteilung optimiert für ihre eigenen KPIs, aber niemand ist für das Gesamterlebnis des Kunden verantwortlich. Diese Lücke zwischen den „Frontstage“-Aktionen (was der Kunde sieht) und den „Backstage“-Prozessen (was intern passiert) ist der Hauptgrund für inkonsistente und frustrierende Kundenerlebnisse.

Um diese Lücke zu schliessen, benötigen Sie eine Methode zur operativen Synchronisation. Das Service Blueprinting ist ein extrem wirkungsvolles Werkzeug dafür. Es ist eine visuelle Landkarte, die nicht nur die Schritte des Kunden (Touchpoints) abbildet, sondern auch die damit verbundenen Mitarbeiteraktionen und Support-Prozesse, die im Hintergrund ablaufen. So werden Abhängigkeiten und Bruchstellen zwischen den Abteilungen sichtbar und können gezielt behoben werden. Die Datengrundlage hierfür ist entscheidend; so verlassen sich laut Marktstudien bereits über 65 % der Organisationen auf CDPs, um diese kanalübergreifende Sicht zu ermöglichen.

Die Methodik des Service Blueprinting folgt typischerweise diesen Schritten:

  1. Sichtbare Kunden-Touchpoints identifizieren: Zeichnen Sie jeden einzelnen Schritt der Customer Journey auf, von der ersten Anzeige bis zum After-Sales-Service.
  2. Unsichtbare Mitarbeiter-Aktionen mappen: Ordnen Sie jedem Kunden-Touchpoint die Aktionen zu, die ein Mitarbeiter im Hintergrund ausführen muss (z. B. Bestellung im Lager kommissionieren).
  3. Support-Prozesse aufzeichnen: Dokumentieren Sie die Systeme und internen Prozesse, die für jede Interaktion notwendig sind (z. B. Bestandsabgleich im ERP-System).
  4. Bruchstellen identifizieren: Analysieren Sie die Karte auf Lücken, Redundanzen und Verzögerungen zwischen Frontend und Backend.
  5. Journey-basierte Teams implementieren: Bilden Sie funktionsübergreifende Teams, die für einen gesamten Abschnitt der Customer Journey verantwortlich sind, anstatt in Abteilungssilos zu denken.

Ihr Aktionsplan zur Synchronisations-Analyse: Customer Journey Audit

  1. Kontaktpunkte identifizieren: Listen Sie alle Kanäle und Touchpoints auf, an denen ein Kunde mit Ihrer Marke interagiert (Website, App, Filiale, Social Media, Kundenservice).
  2. Bestehende Elemente sammeln: Inventarisieren Sie für jeden Touchpoint die existierenden Kommunikationsmittel und Prozesse (z.B. Willkommens-E-Mail, Abholbestätigung, Retourenformular).
  3. Kohärenz prüfen: Konfrontieren Sie die gesammelten Elemente mit Ihren zentralen Markenwerten und Ihrem Positionierungsversprechen. Wo gibt es Widersprüche in Tonalität oder Design?
  4. Einzigartigkeit bewerten: Analysieren Sie, welche Interaktionen einzigartig und erinnerungswürdig sind und welche generisch oder austauschbar wirken. Wo können Sie emotionale Höhepunkte schaffen?
  5. Integrationsplan erstellen: Erstellen Sie eine priorisierte Liste von Massnahmen, um Inkonsistenzen zu beheben, Lücken in der Journey zu füllen und die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu verbessern.

Wenn es Ihnen gelingt, Ihre internen Abläufe am Rhythmus der Customer Journey auszurichten, schaffen Sie nicht nur ein besseres Kundenerlebnis, sondern auch eine effizientere und agilere Organisation.

First Click oder Last Click: Welchem Kanal rechnen Sie den Erfolg zu?

Die Frage der Erfolgszurechnung, auch Attribution genannt, ist eines der umstrittensten und politisch aufgeladensten Themen im Marketing. Welcher Kanal bekommt das Lob (und das Budget) für eine erfolgreiche Conversion? War es die erste Google-Anzeige, die den Kunden auf die Marke aufmerksam machte (First Click)? Oder war es der letzte Klick auf einen Rabattlink im Newsletter (Last Click)? Die Wahl des Attributionsmodells hat direkte Auswirkungen auf die Budgetverteilung, die Team-Boni und die strategische Ausrichtung des gesamten Marketings.

Traditionelle Modelle wie First Click oder Last Click sind einfach zu messen, aber sie verzerren die Realität der komplexen Customer Journey massiv. Last Click überschätzt die Bedeutung von Performance-Kanälen am Ende des Funnels und ignoriert die wichtige Vorarbeit von Awareness-Kanälen wie Social Media oder Content Marketing. First Click tut genau das Gegenteil. Beide Modelle führen zu suboptimalen Budgetentscheidungen, da sie ein unvollständiges Bild zeichnen. Wie ein Experte treffend bemerkt, ist dies keine rein analytische Frage:

Die Wahl eines Attributionsmodells ist eine hochpolitische Entscheidung, die Budgetverteilungen und Team-Boni beeinflusst.

– Marketing Analytics Expert, CDP Market Analysis 2024

Eine faire und strategisch sinnvolle Attribution erfordert einen ganzheitlicheren Ansatz. Moderne, datengetriebene Attributionsmodelle nutzen Algorithmen, um den Beitrag jedes einzelnen Touchpoints entlang der Journey zu bewerten. Sie berücksichtigen, welche Rolle ein Kanal spielt – ob er den ersten Kontakt herstellt, den Kunden mit Informationen versorgt oder den finalen Kaufimpuls gibt.

Attributionsmodelle im Vergleich
Modell Vorteile Nachteile Beste Anwendung
First Click Würdigt Awareness-Kanäle Ignoriert Nurturing Brand Building
Last Click Einfach messbar Unterschätzt Support-Kanäle Performance Marketing
Datengetrieben Fair und präzise Komplex, benötigt Daten Reife Organisationen

Die Implementierung eines datengetriebenen Modells erfordert eine solide Datenbasis (eine CDP ist hierfür die Voraussetzung) und analytische Kompetenz. Für viele Unternehmen kann ein Zwischenschritt wie ein lineares oder positionsbasiertes Modell bereits eine deutliche Verbesserung gegenüber First/Last Click darstellen. Wichtig ist, dass die gesamte Organisation das gewählte Modell versteht und akzeptiert.

Am Ende geht es darum, eine Kultur der Wert-Attribution zu schaffen, die den Beitrag jedes Kanals zur Steigerung des Customer Lifetime Value würdigt, anstatt sich auf einen einzigen, irreführenden Klick zu fixieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kanal-Reibung ist operativ: Kundenverluste entstehen meist durch mangelnde Synchronisation interner Prozesse, nicht durch fehlende Technologie.
  • Daten-Orchestrierung ist der Schlüssel: Eine zentrale Customer Data Platform (CDP) ist die Basis, um Kunden an jedem Touchpoint konsistent anzusprechen.
  • Prozess vor Technologie: Nutzen Sie Methoden wie Service Blueprinting, um interne Abläufe an der Customer Journey auszurichten, bevor Sie in neue Tools investieren.

Wie erhöhen Sie den Wert eines bestehenden Kunden um 30 %, statt teuer neue zu akquirieren?

Die Neukundengewinnung ist teuer und aufwendig. Der wahre Hebel für profitables Wachstum liegt in der Maximierung des Werts Ihrer bestehenden Kunden. Ein Kunde, der Ihnen bereits vertraut und positive Erfahrungen mit Ihrer Marke gemacht hat, ist weitaus empfänglicher für weitere Angebote und hat einen potenziell höheren Customer Lifetime Value (CLV). Die in diesem Artikel besprochene nahtlose Orchestrierung aller Kanäle ist nicht nur ein Mittel zur Schadensbegrenzung – sie ist die effektivste Strategie zur Kundenbindung und Wertsteigerung. Omnisend-Daten belegen, dass kanalübergreifendes Marketing einen enormen Einfluss hat: Eine gut umgesetzte Strategie kann fast sechsmal höhere Verkäufe im Vergleich zu Single-Channel-Marketing generieren.

Indem Sie die Reibung zwischen den Kanälen beseitigen, schaffen Sie eine komfortable und konsistente Umgebung, die den Kunden dazu einlädt, mehr mit Ihrer Marke zu interagieren. Wenn die App nahtlos mit der Website und dem Erlebnis im Laden verbunden ist, wird es für den Kunden selbstverständlich, über alle Kanäle hinweg bei Ihnen einzukaufen. Personalisierte Angebote, die auf einer 360-Grad-Sicht des Kunden basieren, werden relevant und hilfreich statt aufdringlich. Ein Treueprogramm, das online und offline gleichermassen funktioniert, schafft echte Anreize für wiederholte Käufe.

Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieser Philosophie ist Sephora, das mit seinem „Beauty Insider“-Programm eine Blaupause für exzellentes Omnichannel-Marketing geschaffen hat.

Fallstudie: Sephora’s Beauty Insider Programm

Sephora hat seine Omnichannel-Strategie meisterhaft umgesetzt, um eine loyale Community aufzubauen. Das „Beauty Insider“-Programm verbindet das Online- und Offline-Erlebnis nahtlos. Kunden können Punkte sammeln und einlösen, egal ob sie über die App, die Website oder in einer der Filialen einkaufen. Die App bietet personalisierte Empfehlungen basierend auf der Kaufhistorie und ermöglicht virtuelle Try-ons. Das Ergebnis ist eine Community von über 11 Millionen Mitgliedern, die laut Analysen 15-mal mehr Geld auf Sephora.com ausgeben als durchschnittliche Nutzer. Dies zeigt eindrucksvoll, wie eine nahtlose Erfahrung den Kundenwert exponentiell steigert.

Beginnen Sie noch heute mit der Analyse Ihrer internen Prozesse, um die Reibungspunkte in Ihrer Customer Journey zu eliminieren und den Wert jedes einzelnen Kunden nachhaltig zu steigern. Das ist der sicherste Weg, um nicht nur Kundenverluste zu stoppen, sondern loyale Markenbotschafter zu gewinnen.

Geschrieben von Lena Volkov, B2B-Vertriebsstrategin und CRM-Expertin mit Fokus auf Sales-Automation und Pipeline-Management. Sie hat in den letzten 10 Jahren Vertriebsteams im Tech- und Servicesektor aufgebaut und zu Höchstleistungen geführt.