Veröffentlicht am März 12, 2024

Die Steigerung Ihrer Eigenkapitalrendite auf über 15 % ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer disziplinierten Kapitalallokations-Strategie.

  • Der Schlüssel liegt nicht im blinden Einsatz von Fremdkapital, sondern in der präzisen Bestimmung des optimalen Verschuldungsgrades, an dem die Kapitalkosten minimal sind.
  • Die Entscheidung zwischen Reinvestition und Ausschüttung muss rational getroffen werden: Nur Projekte, deren Rendite (ROIC) die Kapitalkosten (WACC) übersteigt, schaffen echten Wert.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihr Unternehmen mit der DuPont-Zerlegung, um die wahren Treiber Ihrer Rendite – Marge oder Kapitalumschlag – zu identifizieren und gezielte Massnahmen zu ergreifen, anstatt nur an der Fremdkapitalschraube zu drehen.

Als Gesellschafter oder Investor blicken Sie auf eine entscheidende Kennzahl: die Eigenkapitalrendite (EKR), im Englischen als Return on Equity (ROE) bekannt. Sie ist der unbestechliche Massstab dafür, wie effizient Ihr investiertes Kapital arbeitet. Eine Rendite, die im einstelligen Bereich verharrt, ist in der heutigen Zeit nicht nur unbefriedigend, sondern ein klares Signal für ungenutztes Potenzial. Während viele Unternehmen sich mit dem Status quo abfinden, ist eine Rendite von über 15 % kein utopisches Ziel, sondern das Ergebnis strategischer Exzellenz.

Die üblichen Ratschläge – „Kosten senken“, „Umsatz steigern“ – sind zwar nicht falsch, aber sie kratzen nur an der Oberfläche. Der wahre Hebel, der oft genannt wird, ist der Leverage-Effekt: der Einsatz von Fremdkapital, um die Rendite für die Eigenkapitalgeber zu potenzieren. Doch dieser Hebel ist ein zweischneidiges Schwert. Ein unbedachter Einsatz führt nicht zu höheren Renditen, sondern geradewegs in die Überschuldung und vernichtet Unternehmenswert.

Die Perspektive, die wir in diesem Artikel einnehmen, geht daher tiefer. Wir betrachten die Steigerung der EKR nicht als eine Frage des „Ob“, sondern des „Wie“. Es geht um eine fast chirurgische Präzision bei der Kapitalallokation. Die fundamentale Frage lautet nicht: „Wie viel Fremdkapital können wir aufnehmen?“, sondern: „Was ist der wertmaximierende Einsatz für jeden einzelnen Euro Kapital in unserem Unternehmen?“ Ob dieser Euro in ein neues Projekt, einen Aktienrückkauf oder eine Dividende fliesst, muss eine kalte, rationale Entscheidung sein.

Dieser Leitfaden zerlegt den Weg zu einer 15-%-plus-Rendite in seine strategischen Bestandteile. Wir analysieren, wie Sie den Leverage-Effekt intelligent nutzen, Ihre Renditetreiber identifizieren und die kritischen Entscheidungen zur Kapitalverwendung treffen, um den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern, ohne dabei die Kontrolle über das Risiko zu verlieren.

Um Ihnen eine klare Struktur für diese komplexe Thematik zu bieten, gliedert sich der Artikel in die folgenden Kernbereiche. Jeder Abschnitt beleuchtet einen kritischen Aspekt der Renditesteigerung und bietet Ihnen als Entscheidungsträger konkrete, anspruchsvolle Ansätze.

Warum kann mehr Fremdkapital Ihre Rendite hebeln und wo liegt der kritische Punkt?

Der Leverage-Effekt ist das Fundament jeder anspruchsvollen Finanzstrategie. Das Prinzip ist bestechend einfach: Solange die Gesamtkapitalrendite Ihres Unternehmens höher ist als die Zinsen, die Sie für Fremdkapital zahlen, steigert jeder zusätzliche Euro an Schulden die Rendite auf Ihr Eigenkapital. Sie leihen sich Geld zu 4 %, investieren es in Ihr Geschäft, das 8 % abwirft, und die Differenz von 4 % gehört Ihnen, den Eigentümern. Dieser positive Effekt potenziert Ihre Rendite.

Doch der Begriff „Hebel“ ist bewusst gewählt – er impliziert auch ein ungleich höheres Risiko bei falscher Anwendung. Der kritische Punkt ist erreicht, wenn der Hebel umzukippen droht. Dies ist nicht erst bei der Insolvenz der Fall, sondern bereits viel früher. Ein entscheidender Wendepunkt ist das WACC-Optimum, der Punkt, an dem die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) am niedrigsten sind. Jenseits dieses Punktes beginnen die Risikoprämien, die Fremdkapitalgeber verlangen, so stark zu steigen, dass sie den positiven Leverage-Effekt auffressen und die Gesamtkapitalkosten wieder in die Höhe treiben.

Weitere kritische Schwellen sind in den Kreditverträgen (Covenants) selbst definiert. Oftmals gilt eine Eigenkapitalquote unter 20 % als Alarmsignal, das nicht nur die Aufnahme neuen Kapitals erschwert, sondern auch bestehende Linien gefährden kann. Die Struktur Ihrer Verbindlichkeiten spielt ebenfalls eine Rolle. Ein hohes Refinanzierungsrisiko durch zu viele kurzfristige Schulden kann in einem „Credit Crunch“ zur tödlichen Falle werden, selbst wenn das Unternehmen operativ profitabel ist. Die Kunst besteht also darin, den Verschuldungsgrad so weit zu erhöhen, dass die Rendite maximiert wird, aber stets einen Sicherheitsabstand zu diesen kritischen Punkten zu wahren.

Die Identifikation dieser kritischen Schwellen ist keine akademische Übung, sondern eine essenzielle Risikomanagement-Aufgabe für jeden Gesellschafter.

Wie zerlegen Sie die Rendite, um zu sehen, ob Marge oder Kapitalumschlag das Problem ist?

Eine unbefriedigende Eigenkapitalrendite hat selten nur eine einzige Ursache. Zu oft wird reflexartig auf die Marge geschielt, während der eigentliche Engpass an einer ganz anderen Stelle liegt. Um die wahren Hebel für eine Renditesteigerung zu identifizieren, ist eine systematische Zerlegung der EKR unerlässlich. Das klassische und nach wie vor schlagkräftigste Instrument hierfür ist die DuPont-Analyse. Sie bricht die Eigenkapitalrendite in ihre drei fundamentalen Bestandteile auf: die Nettogewinnmarge, den Kapitalumschlag und den finanziellen Hebel.

  • Nettogewinnmarge (Profitabilität): Wie viel Gewinn erwirtschaften Sie pro Euro Umsatz?
  • Kapitalumschlag (Effizienz): Wie viel Umsatz generieren Sie pro Euro investiertem Kapital?
  • Finanzhebel (Kapitalstruktur): Wie stark ist die Rendite durch den Einsatz von Fremdkapital gehebelt?

Diese Zerlegung ermöglicht eine präzise Diagnose. Ein Unternehmen kann beispielsweise eine exzellente Marge aufweisen, aber an einem extrem langsamen Kapitalumschlag leiden – typisch für anlagenintensive Industrien. Ein anderes Unternehmen mag sehr effizient sein (hoher Umschlag), aber unter einer hauchdünnen Marge leiden, wie es im Handel oft der Fall ist. Ohne diese differenzierte Sichtweise laufen Optimierungsmassnahmen ins Leere. Sie versuchen, die Kosten zu senken (Marge zu erhöhen), obwohl das eigentliche Problem in zu hohen Lagerbeständen oder einem ineffizienten Forderungsmanagement liegt (was den Kapitalumschlag bremst).

Visualisierung der DuPont-Analyse zur systematischen Renditezerlegung

Wie die Visualisierung der miteinander verzahnten Zahnräder andeutet, greifen alle drei Komponenten ineinander. Eine Änderung am Verschuldungsgrad (Finanzhebel) hat unmittelbare Auswirkungen auf die EKR, aber die nachhaltige und gesunde Steigerung der Rendite kommt aus der Verbesserung der operativen Treiber: Profitabilität und Effizienz. Die DuPont-Analyse gibt Ihnen das Cockpit an die Hand, um zu sehen, welcher dieser Motoren stottert und justiert werden muss, bevor Sie den Turbo des Fremdkapitals zuschalten.

Erst wenn Sie wissen, ob Ihr Problem in der Marge oder der Effizienz liegt, können Sie gezielte und wirksame Massnahmen zur Wertsteigerung einleiten.

Gewinne entnehmen oder reinvestieren: Was dient dem Unternehmenswert langfristig mehr?

Jeder Euro Gewinn, der nicht ausgeschüttet wird, ist eine Reinvestition in das eigene Unternehmen. Die Entscheidung, ob dieser Euro thesauriert oder an die Gesellschafter ausgezahlt wird, ist die wohl wichtigste Aufgabe der Kapitalallokation. Eine pauschale Antwort gibt es nicht; die richtige Strategie hängt von der Reifephase des Unternehmens und vor allem von einer einzigen, harten Kennzahl ab: der erwarteten Rendite auf das investierte Kapital (Return on Invested Capital, ROIC).

Die fundamentale Entscheidungsregel lautet, dass der Return on Invested Capital (ROIC) die gewichteten Kapitalkosten (WACC) übersteigen muss, um Wert zu schaffen. Wenn Ihr Unternehmen in Projekte investieren kann, deren erwartete Rendite deutlich über den Kapitalkosten liegt, ist jede Ausschüttung eine verpasste Chance und vernichtet potenziellen Wert. In diesem Szenario ist die maximale Reinvestition der Gewinne der unanfechtbare Weg zur Wertmaximierung. Umgekehrt gilt: Wenn die internen Investitionsmöglichkeiten eine Rendite unterhalb der Kapitalkosten versprechen, ist es die Pflicht der Unternehmensführung, das Kapital an die Eigentümer zurückzugeben, damit diese es anderweitig profitabler anlegen können. Jede Reinvestition unterhalb der WACC-Schwelle ist pure Wertvernichtung.

Diese Logik führt zu einer klaren, phasenabhängigen Strategieempfehlung, die sich an der erwarteten Rendite künftiger Projekte orientiert.

Reinvestition vs. Ausschüttung nach Unternehmensphase
Unternehmensphase Optimale Ausschüttungsquote ROIC-Erwartung Strategieempfehlung
Wachstumsphase 0-10% >20% Maximale Reinvestition
Reifephase 30-50% 12-18% Ausgewogene Strategie
Cash Cow Phase >50% <12% Hohe Ausschüttung

Die Entscheidung zwischen Entnahme und Reinvestition ist somit keine emotionale, sondern eine rein ökonomische. Die Frage ist nicht „Wollen wir wachsen?“, sondern „Können wir profitabel wachsen?“. Die disziplinierte Anwendung des ROIC > WACC-Kriteriums stellt sicher, dass das Kapital stets dorthin fliesst, wo es den höchsten Wert für die Eigentümer schafft.

Langfristiger Unternehmenswert entsteht nicht durch Wachstum um jeden Preis, sondern durch diszipliniertes, profitables Wachstum.

Das Risiko der Überschuldung, wenn der Zinsmarkt sich plötzlich dreht

Die aggressive Nutzung von Fremdkapital zur Renditesteigerung basiert auf einer kritischen Annahme: stabilen oder zumindest kalkulierbaren Zinskosten. Doch die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, wie schnell sich dieses Paradigma ändern kann. Ein plötzlicher und starker Anstieg der Zinsen kann den positiven Leverage-Effekt nicht nur neutralisieren, sondern ins Negative verkehren. Aus dem Rendite-Turbo wird dann eine Schuldenfalle, die die Profitabilität erodiert und im schlimmsten Fall die Existenz des Unternehmens bedroht.

Das Kernrisiko liegt in der Refinanzierung. Wenn ein Unternehmen einen hohen Anteil an variabel verzinslichen oder kurzfristigen Krediten hält, schlägt ein Zinsanstieg fast unmittelbar auf die Gewinn- und Verlustrechnung durch. Die Zinslast steigt, die Nettogewinnmarge schmilzt und die Eigenkapitalrendite bricht ein. Dieses Szenario wird als Zinsänderungsrisiko bezeichnet und ist die Achillesferse einer jeden fremdkapitalintensiven Strategie. Ein kluger Investor oder Gesellschafter verlässt sich daher nicht darauf, dass die Zinsen niedrig bleiben, sondern implementiert proaktiv eine mehrschichtige Absicherungsstrategie.

Strategische Absicherung gegen Zinsrisiken in der Unternehmensfinanzierung

Die Absicherung gegen Zinsrisiken ist kein Luxus, sondern ein integraler Bestandteil einer professionellen Finanzarchitektur. Es geht darum, durch den Einsatz von Derivaten wie Zinsswaps oder Zinscaps die Volatilität der Zinsmärkte zu neutralisieren und Planungssicherheit zu schaffen. Gepaart mit einer intelligenten Strukturierung der Fälligkeiten (Debt Laddering) und internen Frühwarnsystemen lässt sich das Risiko eines „Zinsschocks“ signifikant reduzieren. Die Fähigkeit, auch in einem Hochzinsumfeld profitabel zu agieren, trennt die robusten von den fragilen Geschäftsmodellen.

Ihr Aktionsplan: Absicherungsstrategien gegen Zinsrisiken

  1. Zinsswaps abschliessen: Tauschen Sie variable gegen feste Zinssätze, um für einen Grossteil Ihrer Verbindlichkeiten absolute Planungssicherheit über die Laufzeit zu erhalten.
  2. Zinscaps vereinbaren: Definieren Sie eine vertragliche Obergrenze für variable Zinsen. Sie partizipieren an fallenden Zinsen, sind aber nach oben gegen extreme Ausschläge geschützt.
  3. Debt Laddering umsetzen: Streuen Sie die Fälligkeiten Ihrer Verbindlichkeiten über verschiedene Zeiträume, um zu vermeiden, dass ein grosser Teil des Portfolios in einer Hochzinsphase refinanziert werden muss.
  4. Interne Covenants etablieren: Definieren Sie strengere Finanzkennzahlen (z.B. Zinsdeckungsgrad) als Ihre Bank es tut, um ein internes Frühwarnsystem zu haben, das lange vor einer potenziellen Vertragsverletzung auslöst.
  5. Stress-Testing durchführen: Simulieren Sie in Ihren Finanzmodellen regelmässig Szenarien wie einen Zinsanstieg um 200 Basispunkte oder einen Umsatzrückgang von 10 % und analysieren Sie die Auswirkungen auf Liquidität und Profitabilität.

Ein hoher Leverage ist nur dann eine nachhaltige Strategie, wenn das damit verbundene Zinsrisiko aktiv und professionell gemanagt wird.

Wann ist ein Aktienrückkauf sinnvoller als eine neue Investition?

Neben der Reinvestition in das operative Geschäft und der Ausschüttung von Dividenden gibt es eine dritte, oft missverstandene Option der Kapitalallokation: der Aktienrückkauf. Mechanisch gesehen erhöht ein Rückkauf die Eigenkapitalrendite, da der Nettogewinn auf eine geringere Anzahl von Aktien verteilt wird. Doch diese rein mathematische Betrachtung greift zu kurz. Die entscheidende Frage für einen wertorientierten Gesellschafter lautet: Wann schafft ein Aktienrückkauf tatsächlich nachhaltigen Wert, und wann ist er nur bilanzielle Kosmetik?

Die Antwort liegt in der Bewertung des eigenen Unternehmens. Ein Aktienrückkauf ist dann die strategisch überlegene Entscheidung, wenn die eigenen Aktien am Markt unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. In diesem Fall ist der Kauf eigener Aktien die beste verfügbare Investition. Das Unternehmen erwirbt einen produktiven Vermögenswert – sich selbst – mit einem Abschlag. Dies kommt allen verbleibenden Aktionären zugute, deren Anteil am Unternehmen und dessen zukünftigen Gewinnen proportional steigt.

Die Entscheidungskaskade ist daher klar: 1. Gibt es Reinvestitionsmöglichkeiten, deren erwarteter ROIC die Kapitalkosten (WACC) übersteigt? 2. Wenn nein (oder wenn überschüssiges Kapital vorhanden ist), ist die eigene Aktie unterbewertet? 3. Wenn ja, ist ein Aktienrückkauf einer Dividendenausschüttung vorzuziehen.

Ein Rückkauf bei einem fair oder sogar überbewerteten Aktienkurs ist hingegen eine Form der Wertvernichtung. In diesem Szenario wird das Kapital der Eigentümer genutzt, um einen Vermögenswert zu teuer einzukaufen. Es signalisiert oft einen Mangel an profitablen Wachstumschancen und kann ein verzweifelter Versuch sein, den Gewinn pro Aktie künstlich zu steigern. Ein disziplinierter Kapitalallokator widersteht dieser Versuchung. Er betrachtet die eigenen Aktien wie jede andere Investitionsmöglichkeit: mit einem kühlen Blick auf Preis und Wert.

Ein Aktienrückkauf ist kein Allheilmittel, sondern ein scharfes Instrument, das nur dann eingesetzt werden sollte, wenn die beste Investition, die ein Unternehmen tätigen kann, in sich selbst liegt.

Einlage oder Gewinnthesaurierung: Was wirkt schneller auf die Bilanzoptik?

Eine robuste Eigenkapitalbasis ist nicht nur ein Puffer gegen Krisen, sondern auch ein entscheidendes Signal an Kapitalgeber. Eine hohe Eigenkapitalquote verbessert das Bank-Rating, senkt die Fremdkapitalkosten und erhöht die finanzielle Flexibilität. Zur Stärkung des Eigenkapitals gibt es zwei primäre Wege: die Zuführung neuen Kapitals durch die Gesellschafter (Einlage) oder das Einbehalten von Gewinnen (Gewinnthesaurierung). Beide Wege führen zum gleichen bilanziellen Ergebnis, unterscheiden sich jedoch fundamental in ihrer Geschwindigkeit und Signalwirkung – der sogenannten Bilanzoptik.

Die Gewinnthesaurierung ist der organische, aber langsame Weg. Sie stärkt das Eigenkapital schrittweise, Quartal für Quartal. Dieser Prozess demonstriert die Fähigkeit des Unternehmens, aus eigener Kraft profitabel zu wirtschaften und Werte zu schaffen. Für Banken und langfristige Partner ist dies ein starkes Zeichen für ein nachhaltiges und gesundes Geschäftsmodell. Es signalisiert operative Stärke und Stabilität.

Eine Kapitaleinlage durch die Gesellschafter wirkt hingegen sofort und drastisch. Sie kann die Eigenkapitalquote über Nacht signifikant verbessern und ist oft das Mittel der Wahl in Sondersituationen: zur Finanzierung einer grossen Übernahme, zur Abwendung einer drohenden Krise oder um schnell die Kriterien für einen günstigeren Kredit zu erfüllen. Eine Einlage sendet jedoch ein ambivalentes Signal. Einerseits zeigt sie das starke Engagement und den Glauben der Eigentümer an das Unternehmen. Andererseits kann sie auch als Eingeständnis interpretiert werden, dass die interne Ertragskraft nicht ausreicht, um die notwendigen Mittel zu generieren. Während die Deutsche Bundesbank eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 31,0 % für deutsche Unternehmen als soliden Referenzwert sieht, kommt es auf den Kontext an. Eine plötzliche, hohe Einlage in einem ansonsten stabilen Unternehmen wirkt anders als eine Not-Kapitalmassnahme.

Kurzfristig wirkt die Einlage schneller auf die reinen Zahlen, doch langfristig baut die kontinuierliche Thesaurierung aus operativer Stärke das solidere Fundament an Vertrauen bei Kapitalgebern auf.

Der Fehler, in der Seed-Runde zu viele Anteile abzugeben und später uninvestierbar zu sein

Auch wenn Sie als Gesellschafter eines etablierten Unternehmens agieren, ist der Blick auf die Kapitalhistorie – insbesondere die frühen Finanzierungsrunden – von entscheidender Bedeutung. Der häufigste und schwerwiegendste Fehler, der in der Frühphase eines Unternehmens gemacht wird, ist die Abgabe von zu vielen Anteilen zu einer zu niedrigen Bewertung. Dies mag kurzfristig den Kapitalbedarf decken, legt aber den Grundstein für zukünftige Probleme und kann ein Unternehmen für spätere, professionelle Investoren „uninvestierbar“ machen.

Das Problem ist als „broken cap table“ (kaputte Kapitalstruktur) bekannt. Wenn die Gründer und das Management nach der Seed- oder Series-A-Runde nur noch einen geringen Prozentsatz der Anteile halten, fehlt ihnen der Anreiz, das Unternehmen über Jahre hinweg mit vollem Einsatz zum Erfolg zu führen. Für einen späteren Investor wie Sie bedeutet das ein enormes Risiko. Warum sollten Sie signifikantes Kapital in ein Unternehmen investieren, dessen Schlüsselpersonen nur minimal am zukünftigen Erfolg partizipieren?

Ein erfahrener Investor analysiert daher die Kapitalstrukturhistorie genau. Er achtet darauf, ob in der Frühphase mit anspruchsvolleren, weniger verwässernden Instrumenten gearbeitet wurde. Dazu gehören beispielsweise Wandelanleihen (Convertible Loans) oder SAFE-Notes (Simple Agreement for Future Equity), die die Bewertungsdiskussion auf eine spätere Runde verschieben. Auch Fremdkapitalinstrumente wie Venture Debt, die das Eigenkapital schonen, sind ein Zeichen für finanzstrategische Weitsicht der Gründer. Das Vorhandensein solcher Instrumente in der Vergangenheit signalisiert, dass das Gründerteam den Wert von Eigenkapital verstanden hat und bemüht war, die Kontrolle und den Anreiz für das Management zu wahren.

Für einen Investor ist eine saubere, motivierende Kapitalstruktur oft wichtiger als eine kurzfristig beeindruckende Umsatzprognose. Die Fehler der Vergangenheit definieren die Investierbarkeit der Zukunft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Disziplin vor Hebel: Der Schlüssel zu einer hohen EKR ist nicht maximaler Leverage, sondern die disziplinierte Allokation von Kapital in Projekte, deren Rendite (ROIC) die Kapitalkosten (WACC) übersteigt.
  • Diagnose vor Aktion: Nutzen Sie die DuPont-Analyse, um zu verstehen, ob Ihre Renditeschwäche in der Profitabilität (Marge) oder der Effizienz (Kapitalumschlag) liegt, bevor Sie Massnahmen ergreifen.
  • Risiko aktiv managen: Eine hohe Fremdkapitalquote erfordert ein professionelles Management des Zinsrisikos durch Instrumente wie Swaps, Caps und eine gestaffelte Fälligkeitsstruktur (Debt Laddering).

Wie verbessern Sie Ihr Bank-Rating, um im Notfall schneller an Kredite zu kommen?

Ein exzellentes Bank-Rating ist eine strategische Ressource. Es ist wie eine Feuerversicherung: Man hofft, sie nie zu brauchen, aber wenn der Notfall eintritt, ist sie überlebenswichtig. Ein gutes Rating bedeutet nicht nur Zugang zu Fremdkapital, sondern auch Zugang zu *günstigem* Fremdkapital – und das schnell. Die kontinuierliche Verbesserung des Ratings ist daher keine administrative Übung, sondern ein Kernbestandteil der Wertsteigerungsstrategie. Alle zuvor diskutierten Massnahmen – eine optimierte Kapitalstruktur, eine stabile Profitabilität und ein professionelles Risikomanagement – zahlen direkt auf dieses Ziel ein.

Banken bewerten Unternehmen anhand einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Faktoren. Quantitativ stehen Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote, der Zinsdeckungsgrad (EBIT/Zinsaufwand) und der dynamische Verschuldungsgrad im Vordergrund. Eine konsequente Gewinnthesaurierung und eine massvolle Verschuldung verbessern diese Zahlen organisch. Qualitativ bewerten Banken die Professionalität des Managements, die Transparenz des Reportings und die Nachvollziehbarkeit der Unternehmensstrategie. Ein proaktiver, offener und regelmässiger Dialog mit Ihren Finanzierungspartnern ist hier Gold wert.

Das Setzen und Erreichen ambitionierter, aber realistischer Finanzziele ist ein starkes Signal. Wenn ein grosses Institut wie die Commerzbank öffentlich kommuniziert, dass sie eine Eigenkapitalrendite von 15 % anstrebt, dient dies auch der Steuerung der Erwartungen von Analysten und Investoren. Kleinere Unternehmen können dies im Dialog mit ihrer Hausbank nutzen, um ihre Ambitionen und ihre Professionalität zu demonstrieren. Während der Durchschnitt der Branche oft als Massstab dient, wie die Privatbanken mit einer Rendite von 11,1 Prozent zeigen, ist es die Fähigkeit, die eigene Strategie zur Überperformance klar darzulegen, die Vertrauen schafft. Dieses Vertrauen ist die Währung, die im Krisenfall den schnellen Zugang zu Liquidität sichert.

Betrachten Sie Ihre Bank nicht als blossen Kreditgeber, sondern als strategischen Partner. Pflegen Sie diese Beziehung durch Transparenz und Performance, um die finanzielle Widerstandsfähigkeit Ihres Unternehmens für jede Marktlage zu sichern.

Geschrieben von Sabine Kurz, Erfahrene Interim-CFO und Expertin für Unternehmensfinanzierung mit Schwerpunkt auf Liquiditätssteuerung und Restrukturierung. Seit 14 Jahren begleitet sie KMUs und Startups durch kritische Wachstumsphasen und Finanzierungsrunden.