
Die Senkung von Verwaltungskosten um 20 % hängt nicht vom Kauf teurer Software ab, sondern von der Beseitigung unsichtbarer Prozess-Hypotheken.
- Ineffiziente Genehmigungs-Workflows („versteckte Fabriken“) kosten oft mehr als die eigentliche Arbeit.
- Compliance wird nicht durch mehr Kontrolle, sondern durch lückenlose, digitale Prozessketten erreicht.
Empfehlung: Führen Sie eine gezielte Analyse Ihrer Genehmigungsmatrizen und manuellen Schnittstellen durch, bevor Sie in Technologie investieren.
Als Verwaltungsleiter stehen Sie unter permanentem Druck, Kosten zu senken. Der Reflex ist oft, nach neuer Software zu suchen oder die Kontrollen zu verschärfen. Doch die wahren Kostentreiber sind selten die offensichtlichen Ausgaben. Es sind die unsichtbaren „versteckten Fabriken“ in Ihren Prozessen: endlose Genehmigungsschleifen, manuelle Datenübertragungen und die ständige Suche nach Dokumenten. Diese über Jahre gewachsenen Abläufe bilden eine Art Prozess-Hypothek, die Ihr Unternehmen täglich an Geschwindigkeit und Effizienz kostet. Studien zeigen, dass kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland 3,7 % ihrer Arbeitszeit, also rund 120 Arbeitstage pro Jahr, allein mit administrativen Aufgaben verbringen.
Die landläufige Meinung ist, dass Digitalisierung die Lösung für alles sei. Man kauft ein Dokumentenmanagement-System (DMS) oder ein neues ERP und hofft, dass die Probleme verschwinden. Doch ohne eine strategische Neuausrichtung der zugrundeliegenden Prozesse digitalisiert man nur das Chaos. Die Compliance-Risiken nehmen nicht ab, sondern werden nur in ein neues System verlagert. Die wahre Effizienzrevolution beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit einer radikalen Vereinfachung und der kritischen Frage: „Warum tun wir das überhaupt auf diese Weise?“
Dieser Artikel bricht mit dem Mythos des reinen Technologie-Fixes. Stattdessen beleuchten wir den strategischen Ansatz der Risiko- und Effizienzabwägung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die wirklichen Hebel zur Kostensenkung identifizieren, indem Sie Ihre Genehmigungswege radikal vereinfachen und eine durchgehende, revisionssichere Prozesskette aufbauen. Es geht darum, Kosten zu senken, indem Sie die Effizienz steigern und gleichzeitig Ihre Compliance stärken – nicht trotzdem.
In den folgenden Abschnitten analysieren wir acht typische Kostentreiber in der Verwaltung. Wir decken die versteckten Kosten auf und liefern Ihnen konkrete, strategische Ansätze, um diese Prozess-Hypotheken endlich abzutragen und Ihre Verwaltung fit für die Zukunft zu machen.
Inhaltsverzeichnis: So knacken Sie die 20 % Kostensenkung in der Verwaltung
- Warum kostet Sie die manuelle Rechnungsfreigabe 15 € pro Beleg und wie ändern Sie das?
- Wie viele Unterschriften sind für eine Bestellung von Büromaterial wirklich nötig?
- Lohnbuchhaltung intern oder extern: Was senkt das Haftungsrisiko effektiver?
- Das Risiko, wenn Fachabteilungen eigene Tools nutzen, um die starre IT zu umgehen
- Wann hilft eine schlanke Verwaltung, schneller auf Markteinbrüche zu reagieren?
- Warum laufen Ihre Mitarbeiter täglich 3 Kilometer zu viel und wie ändern Sie das?
- Warum reicht ein USB-Stick im Safe nicht als revisionssicheres Archiv?
- Wie bestehen Sie das ISO 9001 Überwachungsaudit ohne Nachtschichten und Panik?
Warum kostet Sie die manuelle Rechnungsfreigabe 15 € pro Beleg und wie ändern Sie das?
Die Zahl von 15 € pro manuell verarbeiteter Eingangsrechnung ist mehr als eine Schätzung; sie ist ein Symptom für eine tief verwurzelte Ineffizienz. Diese Kosten entstehen nicht nur durch das Abtippen von Daten. Der Löwenanteil verbirgt sich in der „versteckten Fabrik“ der Rechnungsprüfung und -freigabe. Ein Mitarbeiter muss die Rechnung physisch oder per E-Mail an den richtigen Genehmiger weiterleiten. Dieser ist vielleicht im Urlaub, ignoriert die E-Mail oder hat Rückfragen. Die Rechnung liegt brach, Skontofristen verstreichen, und die Buchhaltung muss den Status mühsam nachtelefonieren. Jeder dieser Schritte ist unproduktive Arbeit, die in keiner offiziellen Prozessbeschreibung auftaucht.
Dieser manuelle Zirkus ist eine klassische Prozess-Hypothek: Jeder einzelne Beleg bindet wertvolle Arbeitszeit, die für wertschöpfende Tätigkeiten fehlt. Das eigentliche Problem ist nicht die Rechnung selbst, sondern der Bruch in der digitalen Prozesskette. Die Lösung liegt daher nicht in schnellerem Tippen, sondern in der Implementierung eines Zero-Touch-Prozesses. Moderne Systeme nutzen KI, um Rechnungsdaten automatisch auszulesen (OCR) und mit der ursprünglichen Bestellung abzugleichen. Stimmen Bestelldaten, Wareneingang und Rechnung überein (ein sogenannter „Three-Way-Match“), kann die Rechnung vollautomatisch zur Zahlung freigegeben werden – ohne menschliches Eingreifen.
Der strategische Hebel liegt darin, den Fokus von der manuellen Kontrolle auf die automatisierte Validierung zu verlagern. Ihre Mitarbeiter greifen nur noch bei Abweichungen ein. Dies reduziert nicht nur die direkten Prozesskosten drastisch, sondern eliminiert auch Fehlerquellen, sichert Skontoerträge und schafft eine lückenlose, revisionssichere Dokumentation von Anfang an. Der erste Schritt besteht darin, den Ist-Prozess transparent zu machen und jede einzelne manuelle Schleife als Kostenfaktor zu bewerten.
Wie viele Unterschriften sind für eine Bestellung von Büromaterial wirklich nötig?
Die Bestellung von Büromaterial ist oft ein Paradebeispiel für überbordende Bürokratie. Ein Mitarbeiter benötigt neue Stifte für 15 €, doch der Prozess erfordert die Unterschrift des Teamleiters, des Abteilungsleiters und vielleicht sogar der Geschäftsführung. Dieser Genehmigungsworkflow ist nicht auf das Risiko (15 €) ausgelegt, sondern auf ein veraltetes Kontrollbedürfnis. Das Ergebnis: Die Kosten für den Genehmigungsprozess übersteigen den Warenwert um ein Vielfaches. Diese ineffizienten Prozesse sind ein signifikanter Treiber für administrative Gemeinkosten, was laut Analysen zu einem Produktivitätsverlust von bis zu 50.000 € jährlich in KMU führen kann.
Hier muss die strategische Antwort die Entwicklung einer dynamischen Genehmigungsmatrix sein. Statt eines starren „Jeder-genehmigt-alles“-Ansatzes definieren Sie Schwellenwerte, die auf Risiko und Betrag basieren. Eine Bestellung bis 50 € könnte beispielsweise vom Mitarbeiter selbst oder maximal vom direkten Vorgesetzten freigegeben werden. Erst bei höheren Beträgen oder strategisch wichtigen Anschaffungen werden weitere Hierarchieebenen einbezogen.

Wie die Visualisierung andeutet, geht es darum, von einem komplexen Geflecht zu einer klaren Linie zu kommen. Die Implementierung einer solchen Matrix in einem digitalen Beschaffungstool automatisiert den Prozess vollständig. Das System leitet die Anforderung basierend auf den vordefinierten Regeln automatisch an die richtige und einzige notwendige Person weiter. Dies beschleunigt den Prozess von Tagen auf Minuten, entlastet Führungskräfte von trivialen Aufgaben und gibt den Mitarbeitern mehr Autonomie. Die Angst vor Kontrollverlust wird durch transparente, digitale Protokolle ersetzt, die jede Bestellung lückenlos nachvollziehbar machen.
Lohnbuchhaltung intern oder extern: Was senkt das Haftungsrisiko effektiver?
Die Entscheidung zwischen interner und externer Lohnbuchhaltung wird oft als reine Kostenfrage missverstanden. Tatsächlich ist es eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen zur Steuerung des Haftungsrisikos. Das deutsche Lohnsteuer- und Sozialversicherungsrecht ist extrem komplex und unterliegt ständigen Änderungen. Ein Fehler bei der Abrechnung, eine verpasste Frist bei der Meldung an die Krankenkasse oder eine falsche Einstufung eines Mitarbeiters kann zu empfindlichen Nachzahlungen, Strafen und persönlichen Haftungsrisiken für die Geschäftsführung führen.
Eine interne Lohnbuchhaltung bietet maximale Kontrolle und Flexibilität. Kurzfristige Änderungen oder komplexe Abrechnungsmodelle können direkt umgesetzt werden. Der Preis dafür ist jedoch hoch: Sie benötigen permanent geschultes Fachpersonal, das nicht nur die Software beherrscht, sondern auch rechtlich immer auf dem neuesten Stand ist. Die Kosten für Weiterbildungen, Software-Wartung und die Vertretung bei Krankheit oder Urlaub sind signifikant. Das grösste Risiko ist der „Single Point of Failure“: Verlässt der einzige Lohnbuchhalter das Unternehmen, geht wertvolles Wissen verloren und das Haftungsrisiko steigt sprunghaft an.
Das Outsourcing an einen spezialisierten Dienstleister (z. B. ein Steuerbüro oder einen Payroll-Service) verlagert dieses Risiko. Der Dienstleister garantiert die rechtskonforme Abrechnung und übernimmt die Haftung für seine Fehler. Sie profitieren von der Expertise und den Skaleneffekten eines Spezialisten, der sich ausschliesslich mit diesem Thema befasst. Die Kosten sind transparent und planbar. Der scheinbare Nachteil ist ein geringerer Grad an Flexibilität. Doch moderne digitale Schnittstellen zwischen Ihrem HR-System und dem des Dienstleisters können diesen Nachteil heute weitgehend ausgleichen. Die effektivere Risikosenkung wird in den meisten Fällen durch das Outsourcing erreicht, da es das Unternehmen von einer hochkomplexen und fehleranfälligen Aufgabe befreit.
Das Risiko, wenn Fachabteilungen eigene Tools nutzen, um die starre IT zu umgehen
Wenn die zentrale IT-Abteilung als Bremser wahrgenommen wird, entsteht fast zwangsläufig „Schatten-IT“. Fachabteilungen, die agil auf neue Anforderungen reagieren müssen, schaffen sich eigene Lösungen: Excel-Tabellen werden zu Mini-Datenbanken, kostenlose Cloud-Dienste werden für den Datenaustausch genutzt und private Kommunikationstools ersetzen die offiziellen Kanäle. Auf den ersten Blick scheint dies effizient, doch in Wahrheit ist es eine tickende Zeitbombe für Compliance und Datensicherheit. Daten lagern ungesichert auf externen Servern, DSGVO-Richtlinien werden verletzt und es entstehen isolierte Datensilos, die eine unternehmensweite Auswertung unmöglich machen.
Dieses Phänomen ist jedoch nicht nur ein Problem, sondern auch ein wichtiges Symptom: Es zeigt, wo die offiziellen Prozesse und Werkzeuge zu starr und langsam sind. Anstatt die Schatten-IT pauschal zu verbieten, besteht die strategische Lösung darin, diesen Bedarf zu kanalisieren. Hier kommen Low-Code- und No-Code-Plattformen ins Spiel. Diese ermöglichen es Fachanwendern, mit minimalem Programmieraufwand eigene Anwendungen in einer von der IT kontrollierten und sicheren Umgebung zu erstellen. Sie werden vom Problemverursacher zum Lösungsentwickler. Führende Unternehmen, die konsequent auf moderne Werkzeuge setzen, erzielen erhebliche Vorteile; so verzeichnen Firmen, die KI-gestützte Werkzeuge nutzen, laut einer Analyse von KPMG Effizienzsteigerungen von 30 Prozent und mehr.
Ihr Aktionsplan zur Steuerung von Schatten-IT durch Low-Code
- Bedarfsanalyse: Identifizieren Sie die am häufigsten genutzten Schatten-IT-Anwendungen (z. B. komplexe Excel-Sheets) und analysieren Sie deren Funktion.
- Plattform-Evaluation: Evaluieren Sie zentrale Low-Code/No-Code-Plattformen, die von der IT-Abteilung freigegeben und verwaltet werden können.
- Pilotprojekt starten: Binden Sie eine Fachabteilung aktiv ein, um eine erste Schatten-IT-Anwendung auf der neuen Plattform als Pilotprojekt nachzubauen.
- Governance etablieren: Definieren Sie klare Regeln für die Entwicklung, Freigabe und Wartung von Low-Code-Anwendungen, um die Compliance sicherzustellen.
- Erfolge kommunizieren: Machen Sie die Erfolge des Pilotprojekts im Unternehmen bekannt, um Akzeptanz zu schaffen und weitere Fachbereiche zu motivieren.
Durch diesen Ansatz verwandeln Sie das unkontrollierte Risiko der Schatten-IT in eine gesteuerte, dezentrale Innovationskraft. Die IT-Abteilung gibt den Rahmen vor, während die Fachabteilungen die Agilität erhalten, die sie für ihre tägliche Arbeit benötigen. Das Ergebnis ist eine Win-Win-Situation: Die Verwaltungskosten sinken durch effizientere Prozesse, und das Compliance-Risiko wird aktiv gemanagt.
Wann hilft eine schlanke Verwaltung, schneller auf Markteinbrüche zu reagieren?
In stabilen Marktphasen fallen ineffiziente Verwaltungsprozesse oft nicht dramatisch ins Gewicht. Sie sind ein Ärgernis, ein bekannter Kostenfaktor, aber selten existenzbedrohend. In dem Moment jedoch, in dem der Markt einbricht, die Nachfrage plötzlich sinkt oder Lieferketten gestört sind, wird eine aufgeblähte Verwaltung zur Fessel. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden: Müssen Investitionen verschoben werden? Kann die Produktion flexibel gedrosselt werden? Welche Verträge können kurzfristig angepasst werden? Ein Unternehmen, dessen Management erst wochenlang auf konsolidierte Berichte aus verschiedenen Excel-Listen warten muss oder in dem jede Entscheidung durch unzählige Hierarchieebenen muss, ist handlungsunfähig.
Eine schlanke, digitalisierte Verwaltung ist daher keine reine Effizienzmassnahme, sondern ein strategischer Baustein für unternehmerische Resilienz. Wenn Daten in Echtzeit verfügbar sind und Genehmigungsprozesse digital und schnell ablaufen, kann das Management ad hoc auf Veränderungen reagieren. Statt auf veraltete Monatsberichte zu starren, arbeiten sie mit tagesaktuellen Dashboards. Die Zeit, die früher für das Jagen von Unterschriften und das Konsolidieren von Daten verschwendet wurde, steht nun für strategische Analysen und Entscheidungen zur Verfügung. Diese Agilität ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil in volatilen Zeiten.
Wie Deloitte treffend formuliert, ist die Verbindung von Kostensenkung und digitaler Weiterentwicklung kein Widerspruch, sondern eine Notwendigkeit.
Kostensenkung ist das Gebot der Stunde – und für viele Unternehmen angesichts der konjunkturellen Lage überlebenswichtig. Die Kombination traditioneller und innovativer Hebel ermöglicht Kostensenkung und digitale Weiterentwicklung gleichermassen.
– Deloitte, Smart Cost Reduction: Kostensenkung und Digitalisierung
Eine schlanke Verwaltung hilft also immer dann, schneller zu reagieren, wenn Zeit ein kritischer Faktor ist – und das ist in einer Krise immer der Fall. Die Investition in effiziente Prozesse ist somit eine Investition in die Überlebensfähigkeit des Unternehmens. Sie ermöglicht es, von einem reaktiven Krisenmanagement zu einem proaktiven, datengestützten Steuern überzugehen.
Warum laufen Ihre Mitarbeiter täglich 3 Kilometer zu viel und wie ändern Sie das?
Die Metapher der „3 Kilometer“ steht für die Summe aller unproduktiven Wege und Wartezeiten, die ein Mitarbeiter im Büroalltag zurücklegt – sowohl physisch als auch digital. Es ist der Gang zum Drucker am anderen Ende des Flurs, weil der eigene defekt ist. Es ist die Suche nach einem physischen Aktenordner im Archiv. Es ist das Warten auf eine Unterschrift von einem Kollegen, der gerade in einer Besprechung ist. Und digital ist es das endlose Klicken durch unstrukturierte Server-Ordner auf der Suche nach der finalen Version einer Präsentation. Jede dieser Unterbrechungen reisst den Mitarbeiter aus seiner konzentrierten Arbeit und vernichtet wertvolle Zeit.
Diese „Laufwege“ sind eine direkte Folge von analogen oder schlecht digitalisierten Prozessen. Der Schlüssel zur Veränderung liegt in der Schaffung eines zentralen, digitalen Arbeitsplatzes, der Medienbrüche konsequent eliminiert. Anstatt ein Dokument auszudrucken, um es unterschreiben zu lassen, wird eine digitale Signatur verwendet. Eine Studie zeigt, dass dank solcher Lösungen 28 % der Unternehmen Dokumente binnen weniger Stunden statt mehrerer Tage zurückerhalten. Anstatt Rechnungen in Pendelordnern durch das Haus zu tragen, werden sie in einem Dokumentenmanagement-System (DMS) digital erfasst und verteilt.
Die Reduzierung dieser 3 Kilometer erfordert eine ganzheitliche Betrachtung der Arbeitsabläufe. Der erste Schritt ist die Visualisierung: Bitten Sie Ihr Team, eine Woche lang alle Tätigkeiten zu protokollieren, die sie als „Suche“, „Warten“ oder „Transport“ empfinden. Sie werden überrascht sein, wie viel Zeit hier gebunden wird. Basierend auf dieser Analyse können Sie gezielte Massnahmen ergreifen: die Einführung eines DMS, die konsequente Nutzung digitaler Signaturen oder die strukturierte Ablage von Wissen in einem zentralen Wiki statt auf verstreuten Laufwerken. Das Ziel ist es, dem Mitarbeiter alle Informationen und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die er für seine Aufgabe benötigt – und zwar direkt an seinem Arbeitsplatz.
Warum reicht ein USB-Stick im Safe nicht als revisionssicheres Archiv?
Die Vorstellung, geschäftskritische, steuerrelevante Dokumente auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte zu sichern und im Safe zu lagern, ist ein weit verbreiteter und gefährlicher Irrglaube. Ein solches Vorgehen erfüllt in keiner Weise die Anforderungen der GoBD (Grundsätze zur ordnungsmässigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff). Ein revisionssicheres Archiv muss mehrere Kriterien garantieren, die ein einfacher Datenträger nicht leisten kann: Unveränderbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Verfügbarkeit und maschinelle Auswertbarkeit.
Ein Dokument auf einem USB-Stick ist nicht vor Manipulation geschützt. Es kann jederzeit gelöscht, überschrieben oder unbemerkt verändert werden. Es gibt keine lückenlose Protokollierung, wer wann auf welche Datei zugegriffen hat. Zudem ist die langfristige Verfügbarkeit ein enormes Risiko: USB-Sticks haben eine begrenzte Lebensdauer, können defekt werden oder durch veraltete Anschlüsse unlesbar werden. Schlimmer noch ist der „Single Point of Failure“: Geht der Stick verloren, wird gestohlen oder verlässt die Person mit dem Passwort das Unternehmen, ist das gesamte Archiv wertlos. Im Falle einer Betriebsprüfung kann dies zur Schätzung der Besteuerungsgrundlagen führen, was meist erhebliche finanzielle Nachteile mit sich bringt.
Die einzig konforme Lösung ist ein professionelles Dokumentenmanagement-System (DMS) mit integrierter, revisionssicherer Archivierungsfunktion. Ein solches System stellt durch kryptografische Verfahren sicher, dass archivierte Dokumente nicht mehr verändert werden können. Jede Aktion wird protokolliert. Durch redundante Speicherung und klare Zugriffskonzepte wird die Verfügbarkeit über die gesamte gesetzliche Aufbewahrungsfrist von bis zu 10 Jahren gewährleistet. Die Investition in ein DMS ist somit keine reine Effizienzmassnahme, sondern eine essenzielle Versicherung gegen Compliance-Risiken. Das Einsparpotenzial durch die Optimierung aller beteiligten Prozesse wird dabei auf 15 % bis 20 % der Personalkosten der betreffenden Abteilungen geschätzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Fokussieren Sie sich auf die Vereinfachung von Genehmigungsschritten, anstatt nur bestehende, komplexe Prozesse zu digitalisieren.
- Behandeln Sie Compliance als eine integrierte, lückenlose Prozesskette vom Dokumenteneingang bis zur Archivierung, nicht als separaten Task.
- Ermöglichen Sie Fachabteilungen die Nutzung kontrollierter Werkzeuge (wie Low-Code), um riskante Schatten-IT zu kanalisieren und Innovation zu fördern.
Wie bestehen Sie das ISO 9001 Überwachungsaudit ohne Nachtschichten und Panik?
Die Tage vor einem ISO 9001 Audit sind in vielen Unternehmen von Hektik und Panik geprägt. Mitarbeiter arbeiten bis spät in die Nacht, um fehlende Dokumente zu suchen, Prozessbeschreibungen zu aktualisieren und Protokolle zu erstellen. Dieses Szenario ist ein klares Indiz dafür, dass das Qualitätsmanagementsystem (QMS) nicht im Alltag gelebt wird, sondern nur als Fassade für den Auditor existiert. Ein solches „Audit-Theater“ ist nicht nur extrem ineffizient, sondern verfehlt auch den eigentlichen Sinn der ISO 9001: die kontinuierliche Verbesserung der eigenen Prozesse.
Der Schlüssel zu einem stressfreien Audit liegt darin, das QMS in die täglichen, digitalen Arbeitsprozesse zu integrieren. Wenn Ihre Prozesse, wie in den vorherigen Abschnitten beschrieben, bereits digital, transparent und lückenlos dokumentiert sind, ist die Audit-Vorbereitung keine zusätzliche Aufgabe mehr. Sie ist ein normaler Zustand. Der Auditor fragt nach dem Freigabeprozess für Rechnungen? Ein Klick im DMS zeigt ihm die gesamte, zeitgestempelte Historie. Er will die Nachverfolgung einer Kundenbeschwerde sehen? Das CRM-System liefert den kompletten Vorgang. Die Dokumentenlenkung, ein Kernpunkt der ISO 9001, ist durch die automatische Versionierung im DMS von Natur aus erfüllt.
Eine revisionssichere Prozesskette ist die beste Vorbereitung auf jedes Audit. Sie beweist, dass Ihre Prozesse nicht nur auf dem Papier existieren, sondern tatsächlich so ausgeführt werden. Die Panik vor dem Audit entsteht aus der Angst, die Lücke zwischen der dokumentierten Soll-Welt und der gelebten Ist-Welt nicht schliessen zu können. Wenn diese Lücke durch integrierte digitale Systeme gar nicht erst entsteht, wird das Audit zu dem, was es sein sollte: eine konstruktive Überprüfung und ein Dialog über weitere Verbesserungspotenziale. Die Nachtschichten entfallen, weil die notwendigen Nachweise per Knopfdruck verfügbar sind – jederzeit.
Beginnen Sie jetzt mit der Analyse Ihrer Kernprozesse, um versteckte Kostenfresser zu identifizieren und Ihre Verwaltung zukunftssicher aufzustellen. Dies ist der erste Schritt, um nicht nur Kosten zu senken, sondern Ihr Unternehmen agiler, resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen.
Häufige Fragen zur Prozessoptimierung in der Verwaltung
Warum ist digitale Archivierung kostengünstiger als physische?
Digitale Lösungen eliminieren Bargeldvorhaltung, Logistik und kostenintensive Personenkassen. Die Arbeitszeit für Abrechnungen und Kassiervorgänge kann für die Optimierung der Services aufgebracht werden.
Welche Sicherheitsrisiken werden durch digitale Archivierung reduziert?
Das Risiko des ‚Single Point of Failure‘ wird eliminiert. Bei einem defekten USB-Stick oder wenn die Person mit dem Passwort das Unternehmen verlässt, sind Daten verloren. Professionelle DMS bieten Rollenkonzepte und redundante Speicherung.
Wie wird die GoBD-Konformität sichergestellt?
Durch mathematisch garantierte Manipulationssicherheit, lückenlose Protokollierung, Versionierung und die Prinzipien der Unveränderbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Verfügbarkeit.